Handwerk statt Museum: Eine Tradition in der Werkstatt
Oberhalb von Rickenbach, mit freier Sicht auf den Talkessel und die Mythen, betreibt der Schwyzer Pensionär Walter Büeler eine selbst eingerichtete Werkstatt in einem alten «Gade»-Gebäude. Dort schmiedet er Trychlen – grosse Kuhglocken, die in der Innerschweizer Landschaft zu festlichen Anlässen und zur Brauchtumspflege gehören. Die Arbeit ist für Büeler mehr als ein Hobby: Sie ist Ausdruck kultureller Verbundenheit und eine Form des persönlichen Ausgleichs.
Warum das Schmieden wichtig ist
Das Herstellungsverfahren, das in der Werkstatt stattfindet, verbindet traditionelle Schmiedetechnik mit empfindlichem Feinschliff, damit jede Trychle ihren charakteristischen Klang erhält. Büeler betont die Unterschiedlichkeit der Glocken: Jede Trychle spiele «ihre ganz eigenen Töne» – eine Beobachtung, die auf die Bedeutung von Handarbeit für klangliche Nuancen hinweist. Für die Region bedeutet das:
- Erhalt von lokalem Brauchtum: aktive Pflege eines Instruments, das bei Festen, Umzügen und saisonalen Anlässen eingesetzt wird.
- Kulturelles Gedächtnis: Weitergabe von Fertigkeiten und Wissen ausserhalb institutionalisierter Angebote.
- Lebendige Handwerkskunst: Bewahrung handwerklicher Techniken, die zunehmend selten sind.
Die Werkstatt von Büeler ist kein Museum; hier wird gearbeitet, gefeilt und ausprobiert. Das Ergebnis ist nicht nur ein Gegenstand, sondern auch ein hörbares Stück Heimat.
«Es ist jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn ich eine Trychle fertiggestellt habe und deren Klang höre. Jede Trychle gibt ihre ganz eigenen Töne ab.»
Konkrete Auswirkungen für die Bevölkerung
Für Einwohnerinnen und Einwohner im Kanton Schwyz hat die aktive Herstellung von Trychlen mehrere praktische Relevanzen: Sie sichert die Verfügbarkeit von traditionellem Gerät für lokale Vereine und Anlässe; sie ermöglicht, dass regionale Klangbilder authentisch erhalten bleiben; und sie bietet in ländlichen Gemeinden einen identitätsstiftenden Bezugspunkt. Zudem zeigen Projekte wie dieses, dass kulturelle Erhaltung nicht allein Aufgabe öffentlicher Institutionen ist, sondern vielfach von engagierten Einzelpersonen getragen wird.
Die Werkstatt in dem alten «Gade»-Gebäude ist auch ein Beispiel für kleinteilige Nachnutzung historischer Bausubstanz. Solche Lösungen verbinden Denkmalschutz mit zeitgemässen Nutzungen und können zur Belebung von Quartieren beitragen.
| Person | Walter Büeler |
|---|---|
| Ort | oberhalb von Rickenbach (Schwyz) |
| Werkstatt | altes «Gade»-Gebäude |
| Tätigkeit | Schmieden von Trychlen |
Wer sich für traditionelle Handwerkstechniken interessiert, findet in Projekten wie dem von Büeler einen praktischen Zugang zur regionalen Kulturgeschichte. Die exemplhafte Arbeit eines Einzelnen leistet damit einen Beitrag zum kollektiven kulturellen Leben im Kanton.