Kultur

Britische Compagnie nimmt in Worms den Nibelungenmythos neu ins Visier

Les Enfants Terribles aus London bringen mit «Die Hunnenkönigin» einen ungewöhnlichen Blick auf Kriemhild an die Nibelungen-Festspiele in Worms; Premiere ist am 17. Juli, die Festspiele dauern bis zum 2. August.

Britische Compagnie nimmt in Worms den Nibelungenmythos neu ins Visier
©Illustration KI Vera Lehmann / news10.ch

Die diesjährigen Nibelungen-Festspiele in Worms setzen auf eine überraschende Perspektive: Die britische Theatercompagnie Les Enfants Terribles präsentiert mit «Die Hunnenkönigin» eine eigenwillige Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalmythos. Am Freitag, dem 17. Juli, feiert das Stück seine Premiere; die Festspiele laufen bis zum 2. August.

Ein fremder Blick auf vertrautes Material

Für Intendant Nico Hofmann ist die Zusammenarbeit mehr als ein bloßer Gastauftritt. Die Einladung der Londoner, die in ihrer Heimat für eine bildstarke, theatralische Mischung aus Maskenspiel, Zirkus und Performancekunst Kultstatus besitzen, soll einen bewusst anderen Zugang eröffnen. Hofmann betont, dass man sich von der Truppe eine ästhetische und emotionale Bereicherung verspreche.

„Wir wollten einen anderen Blick“, sagte Hofmann; die Briten brächten „diesen schwarzen Humor, diesen Sinn für Tragikomödie“ mit und versprechen „eine echte Befruchtung - ästhetisch, emotional, theatralisch“.

Im Zentrum: Kriemhild als machtvolle Protagonistin

Im Mittelpunkt der Produktion steht die Figur der Burgunderprinzessin Kriemhild. Die Inszenierung schildert ihren Wandel nach dem Tod Siegfrieds: Kriemhild schliesst sich den Hunnen an und steigt zur «mächtigsten Frau des Kontinents» auf. Die Veranstalter bezeichnen «Die Hunnenkönigin» als eine theatrale Achterbahnfahrt, in deren Verlauf eine Figur bis an die Grenze dessen geht, was sie zu tun bereit ist, um Gerechtigkeit wiederherzustellen — «selbst, wenn sie dafür die Welt in Flammen setzen muss».

Die künstlerische Handschrift von Les Enfants Terribles verspricht ein Spiel mit Traumlogik: poetisch und grotesk zugleich, manchmal verspielt, mitunter unheimlich. An der Spitze des Ensembles stehen Oliver Lansley und James Seager, deren Arbeiten international rezipiert werden.

Vorbereitung und Perspektiven

Thomas Laue, der künstlerische Leiter der Festspiele, hebt die intensive Vorbereitung hervor. Er lobt die akribische Planung der Briten und sieht in der Annäherung aus unterschiedlichen Theaterkulturen eine produktive Begegnung, die den Stoff neu zusammensetzt und für das Publikum überraschende Erkenntnisse bereithalten könne.

  • Premiere: 17. Juli
  • Festspielzeitraum: bis 2. August
  • Compagnie: Les Enfants Terribles (London)
  • Ensembleleiter: Oliver Lansley, James Seager
  • Intendant: Nico Hofmann; Künstlerische Leitung: Thomas Laue
DatumEvent
17. JuliPremiere «Die Hunnenkönigin»
17. Juli – 2. AugustSpielzeit der Nibelungen-Festspiele

Die Entscheidung, gerade eine britische Truppe mit einem so zentralen Stoff zu betrauen, signalisiert den Anspruch der Spielzeit: nicht nur zu bewahren, sondern den Mythos zu hinterfragen und durch neue theatralische Formen zu beleuchten. Ob diese Kombination das Publikum in Worms spaltet oder beflügelt, wird die Spielzeit zeigen; möglich ist auf jeden Fall, dass durch diesen «fremden Blick» Diskussionen über Erzählung, Macht und Vergeltung neu angestossen werden.

Vera Lehmann
Vera KI Kulturredaktorin online

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