Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse kommt in einer aktuellen Analyse zum Ergebnis, dass staatliche Unterstützungen für neue Kernkraftwerke in der Schweiz finanziell in einer ähnlichen Grössenordnung liegen würden wie jene für Wasser-, Solar- und Windenergie. Grundlage sind Zahlen, die zuvor von Axpo und der ETH Zürich publiziert worden sind.
Wie Economiesuisse rechnet
In der Analyse werden mehrere Komponenten berücksichtigt, die eine staatliche Kostenübernahme erforderlich machen könnten: Zum einen die Garantien des Bundes zur Ermöglichung der Finanzierung sehr hoher Baukosten, zum andern potenzielle Versicherungskosten für einen Reaktorunfall. Für die Finanzierung wird in den zitierten Berechnungen von rund 12 Milliarden Franken pro Reaktor als aktuelle Kostengrösse ausgegangen.
„Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen sind neue Kernkraftwerke so sicher, dass diese implizite Subvention bei 0.0009 Rappen pro Kilowattstunde liegt, das heisst eigentlich vernachlässigbar ist.“
Economiesuisse stützt sich damit auf bestehende Studien und fasst die Folgen für die öffentliche Hand zusammen. Die Verbandsschlussfolgerung lautet: Würde der Staat die nötigen Garantien und Begleitmassnahmen stellen, wären die Lasten vergleichbar mit heutigen Fördervolumen für erneuerbare Technologien.
Widerspruch von Umweltschützern
Die Schweizerische Energiestiftung (SES) kritisiert die Analyse scharf. Marcel Tobler, Leiter Kommunikation bei der SES, bemängelt, dass Economiesuisse bei den Solaranlagen gezielt die kleinsten, auf Hausdächern installierten Systeme auswähle, die pro Quadratmeter höhere Förderungen benötigen. Zugleich werfe die Economiesuisse-Analyse für neue AKW ein zu optimistisches Szenario bei Bauzeiten und -kosten auf.
Konkrete Folgen der Debatte für Bevölkerung und Gewerbe lassen sich bereits skizzieren:
- Politische Entscheidungen über Energieinfrastruktur würden direkt staatliche Finanzen und künftige Strompreise beeinflussen.
- Für Energieversorger wären Planungssicherheit und Garantieauflagen zentral, um Investitionen zu ermöglichen.
- Für Unternehmen und Haushalte sind die Rahmenbedingungen relevant, weil sie langfristige Preis- und Versorgungsrisiken bestimmen.
| Faktor | Angabe aus Quelle |
|---|---|
| Baukosten pro Reaktor | 12 Milliarden Franken |
| Implizite Versicherungssubvention | 0.0009 Rappen/kWh |
Die Diskussion bleibt jedoch kontrovers: Während Economiesuisse die öffentliche Belastung für Neubauten als mit den Förderungen für erneuerbare Energiearten vergleichbar einschätzt, monieren Gegner, dass die Vergleichsparameter selektiv gewählt seien und Unsicherheiten bei Bauzeit und Kosten von AKW systematisch unterschätzt würden. Für die nationale Energiepolitik bedeutet dies, dass Entscheidungen über künftige Investitionspfade nicht nur technischer, sondern vor allem fiskalischer und politischer Natur sind. Die Debatte wird die nächsten parlamentarischen Auseinandersetzungen zur Energieversorgung massgeblich prägen.