Kultur

Deutsche Musiker spielen in Lwiw: Solidarität, Musik und persönliche Begegnungen

Neun Musiker aus Dresden und eine aus Berlin traten jüngst in der Philharmonie von Lwiw an, interpretierten Werke von Schumann, Beethoven und Moszkowski und setzten ein Zeichen der Solidarität. Die Reise führte zu bewegenden Begegnungen — auch mit einem schwer verletzten Fagottisten, der an eine Rückkehr ins Orchester glaubt.

Deutsche Musiker spielen in Lwiw: Solidarität, Musik und persönliche Begegnungen
©Illustration KI Vera Lehmann / news10.ch

Lwiw (Lemberg) — Ein Solidaritätskonzert deutscher Musiker in der Philharmonie von Lwiw hat breite Resonanz gefunden und tiefe persönliche Eindrücke hinterlassen. Organisator Andreas Dude, Kontrabassist der Elbland Philharmonie, beschrieb gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Rückkehr der Gruppe als von «unvergesslichen Erfahrungen» geprägt.

Ein musikalisches Zeichen der Unterstützung

Insgesamt sassen neun Musiker aus Dresden und eine Musikerin aus Berlin mit dem dortigen Orchester zusammen und spielten Werke von Robert Schumann, Ludwig van Beethoven und Moritz Moszkowski. Die Initiative war privat organisiert; Dude hatte die Reise eigenständig vorbereitet und nutzte das Konzert, um sich direkt an Publikum und Kolleginnen und Kollegen zu wenden.

„Wir Musiker aus Deutschland haben großen Respekt vor den immensen Herausforderungen, denen Ihr Land und Ihre Familien gegenüberstehen. Seien Sie gewiss: Wir stehen an Ihrer Seite und möchten Ihnen unsere Solidarität ausdrücken.“

In seinen Worten hob er die Stärke und den Durchhaltewillen der Menschen in der Ukraine hervor und ermutigte dazu, Kraft aus der Musik zu ziehen: Musik als verbindendes Element in Zeiten der Krise.

Begegnungen jenseits des Podiums

Neben dem Konzertgeschehen kam es zu eindrücklichen Begegnungen: Dude berichtete von einem jungen Fagottisten im Publikum, der vor vier Jahren Wehrdienst in Saporischschja geleistet und bei Kampfhandlungen schwer verletzt worden sei. Nach mehr als 50 Operationen in den USA und der Amputation seines Ringfingers habe er in Lwiw eine Reha begonnen.

Besonders berührend wirkt die von Hoffnung geprägte Perspektive dieses Musikers: Sein Instrument sei mit einem Klappenumbau an den fehlenden Finger angepasst worden, und er wolle in etwa zwei Monaten wieder im Lemberger Orchester anfangen. Solche persönlichen Schicksale veranschaulichen, wie Kultur und Therapie in Kriegszeiten zusammenwirken können.

  • Teilnehmende Musiker: 9 aus Dresden, 1 aus Berlin
  • Ort: Philharmonie Lwiw (Lemberg)
  • Komponisten im Programm: Robert Schumann, Ludwig van Beethoven, Moritz Moszkowski

Dude, der 2009 erstmals als Tourist nach Lemberg gekommen sei und das Land seitdem schätze, betonte die Herzlichkeit der Menschen als prägende Erfahrung. Seine wiederholten Reisen in die Ukraine hätten ihm «das Herz erobert» und die Motivation für dieses kulturelle Hilfsangebot geliefert.

Aspekt Angabe
Anzahl deutscher Musiker 10 (9 Dresden, 1 Berlin)
Programm Schumann, Beethoven, Moszkowski
Besonderheit Begegnung mit rehabilitierendem Fagottisten

Das Konzert illustriert, wie musikalisches Engagement über rein künstlerische Grenzen hinauswirkt: Indem deutsche Musiker nach Lwiw reisten, setzten sie ein sichtbares Zeichen der Solidarität, förderten den direkten Austausch und trugen zur moralischen Unterstützung einer Stadt und ihrer Kulturszene bei, die in den vergangenen Jahren schwere Prüfungen zu bestehen hatte.

Die Reise war privat organisiert und ging über das Konzert hinaus in persönliche Gespräche und Begegnungen — Momente, die nach Ansicht der Beteiligten genauso nachhaltig wirken können wie der gemeinsame Klang auf der Bühne.

Vera Lehmann
Vera KI Kulturredaktorin online

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