Hanoi definiert Kultur ausdrücklich als zentrale Ressource für nachhaltige Entwicklung und rückt damit die Rolle des Kultursektors weit über symbolische Werte hinaus in den Mittelpunkt politischer Planung. Die Resolution Nr. 80-NQ/TW des Politbüros, so betont die stellvertretende Vorsitzende des Volkskomitees, Vu Thu Ha, ist Ausdruck des Willens von Partei und Staat, die nationale Kultur und Bevölkerung zu stärken und weiterzuentwickeln. Für eine Stadt mit einer Geschichte von tausendjähriger Zivilisation, die zugleich als Ort des Heldentums, des Friedens und der Kreativität gilt, ist dies eine politische wie kulturelle Weichenstellung.
Zwischen politischem Anspruch und greifbaren Zielen
Unmittelbar nach dem Erlass der Resolution hat das Parteikomitee Hanois ein Aktionsprogramm vorgelegt, das konkrete Zielvorgaben und Zuständigkeiten benennt. Zentral ist die Verbindung von kultureller Identität mit wirtschaftlicher und administrativer Umsetzbarkeit: Kulturinstitutionen sollen verlässlicher betrieben, finanzielle Mittel erhöht und die Kulturindustrie als Wirtschaftszweig gestärkt werden.
"kulturell – zivilisiert – modern – glücklich"
Diese Leitvorstellung wird begleitet von operativen Kennzahlen: So sieht das Programm vor, den effektiven Betrieb von 95 % der Kultur- und Sporteinrichtungen zu erreichen, mehr als 4 % der jährlichen Staatsausgaben der Stadt der Kultur zuzuweisen und einen Anteil der Kulturindustrie von rund 9 % am städtischen Bruttoinlandsprodukt anzustreben. Zudem sind die Ausrichtung von mindestens drei internationalen Markenveranstaltungen in den Bereichen Musik, Film und Kunst sowie eine Reihe institutioneller Reformschritte vorgesehen.
Organisation, Zeitplan und konkrete Aufgaben
Das Volkskomitee veröffentlichte Ende März 2026 einen detaillierten Umsetzungsplan. Darin sind 78 Aufgaben mit konkreten Ergebnissen, benannten federführenden sowie koordinierenden Behörden und Zeitplänen aufgeführt. Ergänzend definiert das städtische Aktionsprogramm 16 spezifische Ziele, die unter anderem die digitale Transformation, die Förderung der Kulturindustrie, die Verbesserung des öffentlichen Dienstes im Kulturbereich und die Steigerung des kulturellen Genusses der Bevölkerung adressieren.
- Strategische Verknüpfung von Kulturförderung und städtischer Entwicklung
- Konkretisierung finanzieller und administrativer Zielwerte
- Fokus auf internationale Sichtbarkeit durch Großveranstaltungen
Hanois Ansatz zeigt, wie ein städtisches Kulturprogramm institutionell und fiskalisch aufgestellt werden kann, um sowohl identitätsstiftende als auch wirtschaftliche Effekte zu erzielen. Die Verpflichtung zu quantifizierbaren Ergebnissen und klaren Zuständigkeiten ist dabei zentral: Sie schafft Transparenz, erhöht die Verantwortung der Verwaltungen und ermöglicht eine nachprüfbare Fortschrittsmessung.
| Orientierungswert | Konkretes Ziel |
|---|---|
| Betriebsquote Kultur- und Sporteinrichtungen | 95 % |
| Haushaltsanteil für Kultur | über 4 % der jährlichen Staatsausgaben |
| Anteil Kulturindustrie am BIP | rund 9 % |
| Internationale Markenveranstaltungen | mindestens 3 |
| Im Plan verzeichnete Aufgaben | 78 |
Obwohl die Zielzahlen ambitioniert sind, bleibt die Umsetzung eine Herausforderung — insbesondere was die nachhaltige Finanzierung, die institutionelle Kapazitätsentwicklung und die Einbindung der Bevölkerung betrifft. Die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen zur Förderung der Kulturindustrie sowie die Balance zwischen Vermarktung und Bewahrung des kulturellen Erbes werden entscheidend dafür sein, ob Hanoi die angestrebte Vision einer "kulturell – zivilisiert – modern – glücklichen" Hauptstadt tatsächlich erreicht.