Die Stadt Hanoi hat die Verantwortung für das Kultur- und Tourismusdorf der ethnischen Gruppen Vietnams übernommen. Die formelle Übergabe erfolgte gemäss Beschluss des Premierministers, und seither arbeitet die Leitung an der Stabilisierung des Betriebs sowie an konkreten Schritten zur Ausstattung und Inbetriebnahme notwendiger Einrichtungen. Das Projekt soll ethnische Kultur sichtbar machen und zugleich touristische Angebote bündeln — eine Aufgabe mit nationaler Bedeutung.
Struktur, Flächen und Finanzierungsmodell
Das Kulturdorf ist in sieben Funktionszonen gegliedert, die sich in Umfang, Finanzierung und Realisierungsstand deutlich unterscheiden. Auffällig ist die Mischung aus staatlichen Mitteln für Kernbereiche und dem Wunsch nach privaten Investoren für ergänzende Dienstleistungszonen.
- Zone B (ethnische Dörfer): 198,61 Hektar, finanziert aus staatlichen Haushaltsmitteln; sechs Projekte sind abgeschlossen, eines in Planung, eines in Vorbereitungsphase.
- Zone G (Management und Verwaltung): 78,50 Hektar, ebenfalls staatlich finanziert; Verwaltungsgebäude (G1) ist fertiggestellt, Wohnbereich für Mitarbeiter ethnischer Minderheiten (G2) noch nicht realisiert.
- Weitere Funktionszonen (A, C, D, E, F) sind für nichtstaatliche Finanzierung vorgesehen; die umfassende Dienstleistungszone D (138,89 Hektar) ist für Investitionen genehmigt, befindet sich jedoch noch nicht im Bau.
| Zone | Fläche (ha) | Finanzierung | Status |
|---|---|---|---|
| B (ethnische Dörfer) | 198,61 | staatlich | 6 Projekte abgeschlossen, 1 in Planung, 1 in Vorbereitung |
| G (Verwaltung/Management) | 78,50 | staatlich | Verwaltungsgebäude fertig, Personalwohnen noch offen |
| D (Dienstleistungen) | 138,89 | privat (geplant) | für Investitionen genehmigt, noch nicht realisiert |
Aktuelle Prioritäten und offene Fragen
Nach der Übernahme hat die Leitung des Kulturdorfs ihre regulären Aufgaben weitergeführt und aktiv Inventar sowie notwendige Ausstattungen beschafft. Gleichzeitig stehen wichtige Fragen offen: Wie lassen sich private Investitionen in Einklang mit kultureller Authentizität bringen? In welchem Tempo werden noch nicht realisierte Wohn- und Dienstleistungsbauten umgesetzt? Und wie wird die Einbindung der ethnischen Gemeinschaften in Verwaltung und Betrieb sichergestellt?
Die Behörden haben bereits konkrete Elemente in Angriff genommen, doch die Balance zwischen staatlicher Lenkung und marktgetriebener Entwicklung wird maßgeblich darüber entscheiden, ob das Projekt ein lebendiges Zentrum für Tradition, Bildung und Tourismus wird oder zu einem konsumorientierten Angebot ohne tiefere Verwurzelung in den ethnischen Gemeinschaften verfällt.
Für Hanoi bedeutet die Übernahme zudem eine Verantwortung in Sachen langfristiger Pflege und programmatischer Ausgestaltung: Das Areal kann als Schaufenster nationaler kultureller Vielfalt dienen, muss dafür aber nachhaltig betrieben und in enger Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Ethnien entwickelt werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Stadtverwaltung die noch offenen Bauvorhaben und die Investorensuche zielgerichtet vorantreibt und gleichzeitig die kulturelle Integrität wahrt.
Insgesamt steht das Kulturdorf an einem Wendepunkt: Aus der Planung wird schrittweise ein operativer Ort. Entscheidend wird sein, wie transparent und partizipativ die nächsten Umsetzungsschritte erfolgen, damit aus den geplanten Flächen tatsächlich ein lebendiges, respektvolles und attraktives Ziel für Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland entstehen kann.