Seit einem Jahr lehrt der deutsche Philosoph Jan Völker an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In seiner Arbeit mit angehenden Künstlerinnen und Künstlern setzt er einen klaren Schwerpunkt: nicht einfache Antworten zu liefern, sondern Räume für das Denken der Ambivalenz zu öffnen. Diese Haltung zieht sich auch durch sein jüngstes publizistisches Projekt und seine öffentliche Kritik am aktuellen Diskurs.
Ambivalenz als pädagogisches Prinzip
Völker betont, dass künstlerische Ausbildung mehr als Technikvermittlung sein müsse. Die Studierenden solle man dazu anleiten, sich mit schwer verfügbarem Wissen auseinanderzusetzen und Widersprüche auszuhalten. Dieses Fördern von Ambivalenz versteht er als Gegenmittel gegen polarisierende Vereinfachungen, die in öffentlichen Debatten leicht die Oberhand gewinnen könnten.
Sein Credo bringt er pointiert auf den Punkt:
„Wir müssen die Ambivalenz fördern“
Damit setzt er einen bewussten Kontrapunkt zu Tendenzen innerhalb moderner Diskurse, die Komplexität zugunsten klarer Zuordnungen aufgeben.
Kapitalismus und Weltraum: Reflexionen in seinem Buch
In seinem Buch Ein Weltall des Kapitals (2025) zeichnet Völker das Bild eines Kapitalismus, der sich in neue Räume ausbreitet — bis hinaus ins All — um die kollabierende Erde hinter sich zu lassen. Diese Metapher steht für eine radikale Form der ökonomischen Expansion, die ökologische und soziale Fragen ausblendet. Das Buch ergänzt seine lehrpraktische Perspektive um eine scharfe Gesellschaftskritik.
Identitätspolitik unter Kritik
Ein weiterer Kernpunkt seiner öffentlichen Position ist die deutliche Kritik an der Identitätspolitik. Völker konstatiert, dass die Identitätspolitik "viel zerstört" habe. Damit bezieht er sich auf die Zersplitterung des öffentlichen Diskurses und die Schwierigkeiten, gemeinsame kommunikative Räume zu erhalten, wenn Debatten schnell in moralische Endpositionen kippen.
- Lehrtätigkeit: Universität für angewandte Kunst, Wien.
- Publikation: Ein Weltall des Kapitals (2025).
- Schwerpunkte: Förderung von Ambivalenz, schwer verfügbares Wissen, Kritik an Identitätspolitik.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Position | Professor an der Universität für angewandte Kunst, Wien |
| Buch | Ein Weltall des Kapitals (2025) |
| Zentrale Forderung | Förderung von Ambivalenz |
Völkers Plädoyer zielt nicht auf eine Flucht vor politischer Auseinandersetzung, sondern auf einen produktiveren Umgang mit Differenz. In seiner Lehre sollen Künstlerinnen und Künstler dazu befähigt werden, komplexe Sachverhalte zu durchdenken, statt sie vorschnell zu normieren. Damit ist sein Ansatz relevant für die Diskussionen über Hochschulbildung, Kunstfreiheit und die Qualität des öffentlichen Diskurses in Österreich und darüber hinaus.
Ob Völkers Vorschläge für mehr Ambivalenz und die von ihm geforderte Einhegung der Identitätspolitik breite Resonanz finden, wird sich zeigen. Klar ist: Seine Kombination aus praxisbezogener Lehre und kritischer Theorie bietet einen deutlichen Impuls für die Debatte über die Rolle der Kulturinstitutionen im gegenwärtigen Gesellschaftsdiskurs.