Das Lutherhaus in Wittenberg wird in den kommenden Jahren einen sichtbaren Wandel erfahren: Für 15,6 Millionen Euro wird ein neues Eingangsgebäude errichtet, das der künftigen Dauerausstellung Raum geben soll. Die Eröffnung ist im Herbst 2027 geplant, teilte die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt mit. Mit der Maßnahme soll die historische Substanz bewahrt und zugleich modernen Ansprüchen an Museen Rechnung getragen werden.
Zwischen Bewahrung und Erneuerung
Bei der Grundsteinlegung betonte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Absicht, die historische Aura des Ortes zu erhalten:
„Mit der Sanierung und Erweiterung des Lutherhauses wollen wir diese Mauern auch in Zukunft ihre Geschichten erzählen lassen. Wir wollen ihre Aura als Unesco-Welterbe erhalten.“Das Projekt verfolgt demnach nicht nur bauliche Ziele, sondern auch die Aufgabe, die Authentizität des Hauses als Erinnerungsort der Reformation zu sichern.
Das Lutherhaus, Teil der Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg und seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe, war lange Lebensmittelpunkt Martin Luthers. Rund 35 Jahre lebte der Reformator dort mit seiner Familie und arbeitete an seinen Schriften. Die geplante Neuerung soll das Museum für Besucherinnen und Besucher offenhalten und zugleich die inhaltliche Vermittlung stärken.
Architektur, Funktion, Standards
Das neue Eingangsgebäude orientiert sich in Form und Erscheinungsbild am historischen Direktorenhaus, das einst an der Stelle stand und in den 1930er-Jahren als Wohnhaus für Oskar Thulin errichtet wurde. Die Stiftung verspricht eine Verbesserung der Raumsituation und betont die Verbindung von historischer Authentizität mit modernen Anforderungen:
- Verbesserte Ausstellungsfläche für die neue Dauerausstellung
- Umsetzung moderner Standards der Energieeffizienz
- Erhöhte Barrierefreiheit und Sicherheitsstandards
Bis zur Fertigstellung bleibt das Programm des Hauses nicht stehen: Die derzeitige Sonderausstellung „Buchstäblich Luther. Facetten eines Reformators“ ist weiterhin im angrenzenden Augusteum zu sehen.
Dokumentation der Bauetappe
Bei der Grundsteinlegung wurde eine metallene Zeitkapsel eingemauert, die Urkunden, Baupläne und eine Jahresmünze enthält. Solche Gesten markieren nicht nur einen Baubeginn, sie setzen auch ein Zeichen für die intendierte Langfristigkeit und Bedeutung des Projekts für das kollektive Gedächtnis.
| Position | Angabe |
|---|---|
| Gesamtkosten | 15,6 Millionen Euro |
| Eröffnung Dauerausstellung | Herbst 2027 |
| UNESCO-Status seit | 1996 |
Das Projekt steht exemplarisch für die Herausforderung, historische Stätten so zu entwickeln, dass sie ihre Geschichten bewahren und zugleich gegenwärtigen Nutzungs- und Zugänglichkeitsanforderungen gerecht werden. In Wittenberg wird damit eine Brücke zwischen Erinnerungskultur und zeitgemässer Museumsarbeit geschlagen.