Das traditionsreiche Meraner Jazzfestival findet in diesem Jahr zum 30. Mal statt. Damit steht eine Stadt im Mittelpunkt, die mehr mit dem Jazz zu tun hat, als es auf den ersten Blick erscheinen mag: Nicht nur als Gastgeber moderner Formationen, sondern auch als Schauplatz früher Begegnungen, die späteren Stars den Weg bereiteten.
Zwischen internationalem Gast und lokaler Geschichte
Im Zentrum des visuellen Gedächtnisses des Festivals steht der US-amerikanische Gitarrist Kurt Rosenwinkel, dessen Auftritt während der Remedy Tour 2017 fotografisch festgehalten wurde. Solche Gastspiele verdeutlichen, wie eng das Festival mit internationalen Jazzströmungen verwoben ist und welch hohe künstlerische Ansprüche die Programmierer verfolgen. Zugleich ist Meran kein Neuling in Sachen Jazzgeschichte: Der Kontrabassist Ewald Kontschieder, ein präsenter Kenner der lokalen Szene, führt vor Augen, wie tief verwurzelt diese Musik in der Stadt ist – sein Instrument, deutlich grösser als er selbst, ist zugleich Symbol für eine gepflegte, generationenübergreifende Praxis.
Schon in den Anfangsjahren des modernen Jazz traten in Meran Musiker auf, die später grosse Karrieren entwickelten. Ein Beispiel dafür ist Joe Zawinul, der damals noch wenig bekannt war und im alten Bersaglio spielte. Heute beherbergt jener Ort den Ost West Club, an dem weiterhin Konzerte stattfinden und die lokale Szene lebendig bleibt.
- Historische Kontinuität: Von frühen Auftritten bis zu aktuellen Tourneen – Meran verbindet Generationen von Jazzmusikern.
- Internationale Strahlkraft: Künstler wie Kurt Rosenwinkel zeigen, dass das Festival ein Anziehungspunkt für renommierte Musiker ist.
- Lokale Akteure: Persönlichkeiten wie Ewald Kontschieder prägen das musikalische Leben vor Ort.
Die Bedeutung solcher Festivals für die kulturelle Identität einer Stadt lässt sich nicht nur an den Namen messen, die auf Plakaten auftauchen. Wesentlich ist die Praxis des gemeinsamen Musizierens: Jazz lebt von Interaktion, von dem unmittelbaren Austausch zwischen Spielenden und Publikum. Meran, so zeigt die Jubiläumsausgabe, bietet dafür seit Jahrzehnten räumliche und institutionelle Voraussetzungen.
| Ort | Bemerkung |
|---|---|
| Bersaglio (historisch) | Auftritt eines jungen Joe Zawinul; Standort späterer Clubs |
| Ost West Club (heute) | Aktueller Veranstaltungsort, geprägt von Konzerttradition |
| 2017 (Foto) | Kurt Rosenwinkel, Auftritt während der Remedy Tour |
Die Jubiläumsausgabe des Festivals ist auch Anlass, die Rolle kleinerer Städte für die Verbreitung und Entwicklung künstlerischer Formen zu würdigen. Oft entstehen Strömungen nicht nur in Metropolen, sondern an Orten, an denen sich Musikerinnen und Musiker begegnen, experimentieren und Netzwerke knüpfen. Meran ist dafür ein Beispiel: Die Verbindung aus Veranstaltungsorten, lokalen Akteuren und internationalen Gästen schafft einen Mikrokosmos, in dem Jazz immer wieder neu verhandelt wird.
Für das Publikum bedeutet dies die Chance, renommierte Namen neben der Entdeckung junger Talente zu erleben. Für die Stadt selbst ist das Festival ein dauerhaftes kulturelles Kapital, das Identität stiftet und über Jahre hinweg Publikum anzieht. In Zeiten, in denen kulturelle Räume unter finanziellem und institutionellem Druck stehen, bleibt das 30. Meraner Jazzfestival ein Beleg dafür, wie nachhaltige Festivalarbeit Kulturpflege und künstlerische Spannung verbinden kann.