Der Kanton Zug nimmt das Projekt «Moderne Zuger Kantonsgeschichte» wieder auf. Mit einem vom Kantonsrat gesprochenen Kredit von 6,9 Millionen Franken sollen die Forschungslücken zur Geschichte des Kantons geschlossen und die Entwicklung von den ersten Spuren menschlichen Lebens bis in die Gegenwart dokumentiert werden. Nach einem überraschenden Stopp und der Auflösung der ersten Projektleitung hat der Regierungsrat die Leitung neu besetzt.
Neue Projektleitung, bekannter Anspruch
Ab Herbst 2026 übernehmen die Historikerinnen Prof. Dr. Gisela Hürlimann und Dr. Katja Hürlimann die Leitung des Grossprojekts. Sie sollen zusammen mit einem Autorenteam die umfassende Darstellung der kantonalen Geschichte erarbeiten. Das Vorhaben ist nicht neu: Bereits Ende der 1990er-Jahre vereinbarten Kanton und Stadt Zug, die Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, Ende der 2000er-Jahre wurden Lücken kartiert. Finanzielle Engpässe führten 2015 zu einer Unterbrechung, bis das Projekt 2023/24 erneut konkret wurde.
Warum es 2025 zu einem Bruch kam
Der ursprüngliche Neustart begann mit der Einsetzung einer Projektleitung um den Journalisten und Historiker Tobias Ehrenbold sowie die Historikerin Stefanie Mahrer. Ihr Mandat begann Anfang 2025, war aber bereits im Juni desselben Jahres beendet. Als Grund für die Trennung nannte der Regierungsrat damals «unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf die Rahmenbedingungen des Projekts».
«unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf die Rahmenbedingungen des Projekts»
Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut teilte mit, dass nach der Vertragsauflösung keine weiteren Verhandlungen mit der damaligen Projektleitung geführt worden seien. Die damals offenen Punkte seien jedoch analysiert und in den Selektionsprozess für die neuen Leiterinnen eingeflossen.
Was das für Zugerinnen und Zuger bedeutet
Für die Bevölkerung des Kantons hat das Projekt mehrere konkrete Auswirkungen:
- Erwartete Veröffentlichung einer modernen, gesamtstaatlichen Kantonsgeschichte, die historisch belegte Lücken schliesst.
- Wissenschaftliche Grundlagen für Bildungsangebote, Museen und Vermittlungsprojekte in Stadt und Kanton Zug.
- Langfristige Sicherung und Koordination von Forschungsvorhaben zur regionalen Vergangenheit.
Die erneute Besetzung der Projektleitung signalisiert, dass der Kanton an der Umsetzung des Vorhabens festhält. Konkrete Meilensteine, ein detaillierter Zeitplan oder Angaben zur Publikationsform wurden bisher nicht publiziert.
Kurzer zeitlicher Überblick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Ende 1990er | Vereinbarung zwischen Kanton und Stadt zur gemeinsamen Aufarbeitung |
| 2000er | Erstellung einer Forschungsübersicht, Lückenanalyse |
| 2015 | Projekt wegen Finanzproblemen vorläufig gestoppt |
| 2023/24 | Kantonsrat spricht Projektkredit von 6,9 Mio. Fr. |
| Anfang 2025 | Erste Projektleitung eingesetzt, im Juni Vertragsauflösung |
| Herbst 2026 | Beginn der Arbeit mit neuer Leitung: G. Hürlimann & K. Hürlimann |
Die erneute Projektaufnahme eröffnet Chancen für eine systematische, wissenschaftlich fundierte Darstellung der Zuger Geschichte. Entscheidend wird sein, wie die neue Leitung die zuvor identifizierten Differenzen adressiert und welche Form der Öffentlichkeit die Forschungsergebnisse zugänglich gemacht werden.