Sanieren wird zum Langzeitprojekt – und teuer
Das von Max Haug initiierte Symposium an der Hochschule für Technik (HfT) versammelte Fachleute, die sich mit der Sanierung und dem Bau von Theater- und Opernhäusern befassen. Ziel war es, eine neutrale Arena zu schaffen, um Strategien für das Aufsetzen und Realisieren von Kulturbauprojekten zu erörtern und exemplarische Wege aufzuzeigen. Deutlich wurde: Die Lücke zwischen ersten Schätzungen und realen Kosten kann sich innerhalb weniger Jahre ins Unermessliche aufblasen.
„Perspektiven zum strategischen Aufsetzen und Verwirklichen von Kulturbauprojekten“
Am Beispiel Stuttgart wurde nachvollziehbar, wie sich eine zunächst überschaubare Summe zu einem Milliardenprogramm entwickelt. Anfangs wurde der Sanierungsbedarf des Littmannbaus mit lediglich 18 Millionen Euro veranschlagt. Ein Gutachten des Büros Kunkel korrigierte diesen Wert auf rund 300 Millionen. In der Folge wurden Beträge von 500 Millionen und später nahezu eine Milliarde genannt; mit den aktuellen Baukostensteigerungen hangele man sich nun an mindestens 1,5 Milliarden heran.
Interimsspielstätten und ihre Rechnung
Parallel zu den Baukosten wächst die Unsicherheit bei den Zwischenlösungen: Die geplante Interimsspielstätte wanderte von einer Variante am Eckensee zum früheren Bahnpostamt. Für das Provisorium wurden ursprünglich 116 Millionen Euro kalkuliert; eine andere Option, die Wagenhalle, war mit 89 Millionen veranschlagt. Diese Zahlen erwiesen sich als zu niedrig – die Wagenhallen-Lösung liegt mittlerweile bei 289 Millionen.
Der Intendant der Staatsoper, Viktor Schoner, fand zunächst Gefallen an den rohen Hallen des Bahnpostamts und inszenierte dort bereits Bartóks „Blaubart“. Doch künstlerische Improvisation ist eine Sache; die langfristige Kosten- und Logistikplanung eine andere.
Köln: Vom Chaos zur Wiedereröffnung – mit hohem Preis
Auch Köln steht exemplarisch für die Risiken schlechter Projektsteuerung. Der Sanierungsbeginn datiert auf das Jahr 2012; ursprünglich sollte das Vorhaben innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein. Stattdessen stiegen die Kosten kontinuierlich. Laut den beim Symposium genannten Informationen hat sich der Betrag von 253 Millionen auf rund 1,5 Milliarden erhöht. Jürgen Marc Volm, Vorgänger von Haug an der HfT, beschreibt die Lage als «heilloses Durcheinander» mit unklaren Verantwortlichkeiten und zu vielen Schnittstellen. Unter seiner Leitung sei es jedoch gelungen, Vertrauen aufzubauen; das Haus werde am 20. September wieder eröffnet.
- Stuttgart: Von 18 Mio. über 300 Mio. bis mindestens 1,5 Mrd.; Interim variierte zwischen 89 Mio. und 289 Mio.
- Köln: Projektbeginn 2012, Kostenanstieg von 253 Mio. auf rund 1,5 Mrd.; Wiedereröffnung am 20. September.
- Symposium: Ziel war ein Austausch über Strategien zur Planung und Realisierung grosser Kulturbauten.
| Ort | Frühere Schätzung | Zwischenstand | Aktueller Richtwert |
|---|---|---|---|
| Stuttgart (Littmannbau) | 18 Mio. € | 300 / 500 Mio. € | mind. 1,5 Mrd. € |
| Stuttgart (Interim) | 89–116 Mio. € | — | 289 Mio. € (Wagenhalle) |
| Köln (Opernsanierung) | 253 Mio. € | — | rund 1,5 Mrd. € |
Lehren für die Kulturpolitik
Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Ohne stringente Projektsteuerung, eindeutige Verantwortungszuweisungen und realistische Risikoabschätzungen verwandeln sich Kulturbauten schnell in fiskalische Dauerbaustellen. Das Symposium bot die Möglichkeit, verfahrene Prozesse miteinander zu vergleichen und mögliche Reformpunkte zu diskutieren. Es zeigte sich, dass neben der technischen und künstlerischen Planung die Governance-Struktur eines Projekts über Erfolg oder Scheitern entscheidet.
Für Kulturinstitutionen, Kommunen und Förderer bleibt die Frage bestehen, wie künftige Projekte so gestaltet werden können, dass künstlerische Ambitionen nicht durch Kostenexplosionen und organisatorische Defizite unterminiert werden. Stuttgart und Köln stehen dabei als Mahnung und Lehrstück zugleich.