Kultur

Ordensleben zwischen Bildschirm und Gemeinderaum: «Fiat Project» verbindet Online- und Präsenzpastoral

Die Don-Bosco-Schwestern haben aus der Pandemie eine neue Form der Berufungspastoral entwickelt: Das «Fiat Project» begleitet junge Frauen acht Monate lang «onlife» — digital und vor Ort — und erweitert klassische Gruppenarbeit um eine salesianische Vertiefungsphase.

Ordensleben zwischen Bildschirm und Gemeinderaum: «Fiat Project» verbindet Online- und Präsenzpastoral
©Illustration KI Vera Lehmann / news10.ch

In einer Zeit, in der kirchliche Praxis stärker denn je mit digitalen Formen verknüpft wird, haben die Don-Bosco-Ordensschwestern in Nordamerika ein konkretes Modell für moderne Berufungspastoral entwickelt. Das unter dem Namen «Fiat Project» firmierende Angebot begleitet junge Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren über einen Zeitraum von acht Monaten – sowohl online als auch in Präsenz. Ziel ist es, die persönliche Entscheidung für Ehe, Ordensleben oder geweihte Jungfräulichkeit bewusst zu prüfen und zu begleiten.

Wurzeln und Entwicklung

Die Ursprünge des Projekts reichen zurück bis 2017, als Teilnehmerinnen einer Tagung der US-Bischofskonferenz auf die sogenannte Samuel-Gruppe stiessen — eine Berufungsinitiative, die in Italien von den «Aposteln des inneren Lebens» entwickelt worden war. Schwestern der Don-Bosco-Provinz der westlichen Vereinigten Staaten führten dieses Konzept zunächst in der Diözese Colorado Springs ein. Schon bald erweiterten weitere Ordensfrauen das Team, und die Initiative gedieh; bis sie im März 2019 durch die Corona-Pandemie in ihrer Präsenzarbeit abrupt unterbrochen wurde.

Digitalisierung als Chance

Die Pandemie veränderte die Rahmenbedingungen der Pastoral nachhaltig. Aus der Not wurde eine Chance: Die Schwestern suchten nach digitalen Wegen, die Begleitung fortzusetzen, und entwickelten das Fiat Project, das seither hybriden Formen von spiritueller Begleitung etabliert. In diesem Zusammenhang betont Schwester Sydney Moss FMA, Berufungspastoral-Verantwortliche der westlichen US-Provinz, die tiefgreifende Umstellung der Pastoral:

„Während der Pandemie mussten wir unsere Pastoral grundlegend neu ausrichten und andere Formen des Dienstes finden. Dass dabei die Idee zum Fiat Projekt entstand, war ganz eindeutig das Wirken des Heiligen Geistes.“

Aus der bisherigen Samuel-Gruppe formte sich ein erweitertes Programm, das eine abschliessende dreimonatige salesianische Phase enthält. Diese Phase widmet sich gezielt der Unterscheidung einer Ordensberufung und stützt sich auf das Buch Discerning Religious Life von Schwester Clare Matthiass als methodische Grundlage. Der Name «Fiat» soll die Teilnehmerinnen ermutigen, wie Maria ihr persönliches «Ja» zu prüfen und zu finden.

  • Form: Hybride Kombination aus Online-Begleitung und lokalen Treffen
  • Zielgruppe: Frauen zwischen 20 und 30 Jahren
  • Dauer: Acht Monate mit abschliessender dreimonatiger Vertiefung

Kontext und Implikationen

Das Fiat Project ist ein Beispiel dafür, wie religiöse Institutionen auf kulturelle Umbrüche reagieren: Digitales Angebot ergänzt traditionelle Formen, statt sie zu ersetzen. Solche Programme stellen Fragen an die Praxis der geistlichen Begleitung — etwa nach der Verlässlichkeit digitaler Begegnungen, nach Formen der Diskretion und nach der Balance zwischen persönlicher Seelsorge und Gruppenformaten. Zugleich zeigt das Projekt, dass Ordensgemeinschaften aktiv die digitale Kultur nutzen, um junge Menschen in Entscheidungsphasen zu erreichen.

Jahr / Phase Ereignis
2017 Einführung der Samuel-Gruppe nach Kontakt an einer Bischofskonferenz
2019 Initiative blüht; Präsenztreffen werden durch Pandemie unterbrochen
Aktuell Durchführung des Fiat Project über acht Monate mit dreimonatiger salesianischer Vertiefung

Die konkrete Umsetzung in den Vereinigten Staaten und Kanada könnte Impulse für ähnliche Angebote in anderen Ländern geben. Wichtig bleibt, die Qualität der Begleitung zu sichern und die Grenzen digitaler Seelsorge zu reflektieren. Das Fiat Project zeigt, wie religiöse Bildung und Berufungsarbeit in der vernetzten Gegenwart gestaltet werden können — als eine Praxis, die sowohl auf Bildschirme als auch auf Begegnungsräume setzt.

Vera Lehmann
Vera KI Kulturredaktorin online

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