Staatlicher Fahrplan für Kultur als Wirtschaftsfaktor
Das vietnamesische Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus hat in einer Ministerratssitzung einen umfassenden Plan zur Entwicklung der Kulturwirtschaft diskutiert, der ein klares Ziel vorgibt: ein zweistelliges jährliches Wachstum in der Periode 2026–2030. Ministerin Lam Thi Phuong Thanh leitete die Sitzung, an der hochrangige Vertreter des Ministeriums sowie Fachleute aus verschiedenen Abteilungen teilnahmen.
Im Mittelpunkt der Vorlage stehen quantitative Zielgrössen: Die Kulturwirtschaft soll ihren Beitrag zum Bruttoinlandprodukt schrittweise erhöhen und bis 2030 rund 7 % des BIP ausmachen. Als messbaren Wert nennt der Bericht eine Wertschöpfung in laufenden Preisen von ca. 945 Billionen VND bis 2030. Zudem soll das jährliche Wachstum der Exporte der Kulturindustrie im Schnitt bei etwa 7 % liegen.
Sechs Sektoren als Motoren
Der Bericht identifiziert sechs Schlüsselsektoren, die als «wichtigste Wachstumsmotoren» gelten und zusammen mehr als 70 % des Umsatzes der Kulturbranche ausmachen:
- Film
- Darstellende Künste
- Videospiele
- Kulturtourismus
- Werbung
- Kunsthandwerk
Die Vorlage weist zudem darauf hin, dass sich die Kulturwirtschaft nach einem Rückgang infolge der Covid-19-Pandemie seit 2022 erholt hat. Im Zeitraum 2024–2026 habe der Sektor ein positives Wachstumstempo gehalten und liege derzeit bei rund 4,8–5,2 % Anteil am BIP mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7–8 %.
Entwicklungsszenarien und Priorisierung
Der Bericht stellt verschiedene Entwicklungsszenarien gegenüber: Eines zielt darauf ab, das angestrebte Ziel von rund 7 % BIP-Anteil zu garantieren, ein ambitionierteres Szenario strebt sogar etwa 8 % an. Die konkreten Massnahmen und Prioritätsbereiche werden noch finalisiert; der Direktor des Copyright Office, Tran Hoang, präsentierte Lösungsansätze, die das angestrebte jährliche Wachstum von 10–11 % im Zeitraum 2026–2030 ermöglichen sollen.
Die vorgestellten Zahlen und Zielvorgaben machen deutlich, dass die Regierung Kultur nicht länger nur als gesellschaftliche Errungenschaft, sondern als ökonomische Grösse begreift. Entscheidend wird sein, wie die politischen Rahmenbedingungen, Urheberrechtsregelungen, Infrastrukturinvestitionen und internationale Handelsstrategien zusammengeführt werden, um diese Wachstumsraten tatsächlich zu erreichen.
| Indikator | Aktueller Wert / Ziel |
|---|---|
| Anteil am BIP (2024–2026) | ca. 4,8–5,2 % |
| Angestrebter Anteil am BIP (2030) | ~ 7 % (alternativ 8 % Szenario) |
| Wertschöpfung (2030, laufende Preise) | ~ 945 Billionen VND |
| Jährliches Wachstum (2026–2030) | ~ 10–11 % |
| Exportwachstum (durchschn.) | ~ 7 % p.a. |
Welche konkreten Fördermassnahmen, Steueranreize oder Investitionsprogramme das Ministerium vorschlagen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Kulturwirtschaft soll systematisch als Bestandteil der nationalen Entwicklungsstrategie verankert werden. Das Vorhaben wird sowohl für Kulturschaffende als auch für Unternehmen der Kreativ- und Kulturindustrie weitreichende Folgen haben — von neuen Marktchancen bis zu erhöhten Anforderungen an Regulierung und Schutz geistigen Eigentums.