Stan Wawrinka hat seine Abschiedsvorstellung in Gstaad nicht mit einem Sieg gekrönt, wohl aber mit einem würdigen Schlussapplaus. Der 41-jährige Romand verlor in der 1. Runde in drei Sätzen gegen den deutlich jüngeren Jaime Faria – «19 Jahre jünger», wie es im Umfeld betont wurde – und musste früh seine Koffer packen. Das Ergebnis fügt sich in ein Muster, das sich in den letzten Monaten bei Wawrinka abgezeichnet hat: oft konkurrenzfähig, häufig dicht dran, am Ende aber zuletzt knapp unterlegen.
Emotionen statt Resultate
Obwohl die Niederlage sportlich ärgerlich war, geriet sie im grossen Rahmen zur Randnotiz. Bei schwindendem Tageslicht feierten Weggefährten und die Fans den dreifachen Grand-Slam-Champion minutenlang. Die Dankesworte des Romands richteten sich direkt an das Publikum: er nahm die Unterstützung als einen der Hauptgründe, warum er so lange weitergespielt habe. Diese Worte füllten die knapp bemessene Distanz zwischen Karriereende und Erinnerung mit Wärme.
„Ihr seid mit ein Grund, wieso ich so lange weitergespielt habe. Ihr habt mich unterstützt, ihr habt mich gepusht, ihr habt mir so viel Liebe und Emotionen gegeben. Es war jedes Jahr aussergewöhnlich.“
Die Bilanz der jüngsten Monate zeichnet ein klares Bild: In den ersten zwei Monaten der Saison hatte Wawrinka noch sechs Siege auf der ATP-Tour eingefahren, seit März gelang ihm hingegen nur noch ein einziger Erfolg — und zwar in der 1. Runde in Genf. Diese Zahlen erklären, warum das Karriereende nun näher rückt und weshalb Abschiedsauftritte wie in Gstaad von nostalgischer Schwere durchzogen sind.
Blick nach vorn: Basel, Genf und Holzski
Trotz der Wehmut bleibt Wawrinka nicht tatenlos. Er hat seinen letzten Auftritt in der Schweiz bei den Swiss Indoors in Basel angekündigt und plant ausserdem eine Showveranstaltung in der Genfer Palexpo-Halle, in der er unter anderem mit Roger Federer, Andy Murray und Gaël Monfils auftreten soll. Zudem erhielt er in Gstaad symbolisch ein Paar Holzski mit eingraviertem Tennisplatz — ein Geschenk, das Programm zu sein scheint: "Ab Ende dieses Jahres fahre ich Ski", sagte er lachend.
Diese Mischung aus Abschied, Dank und dem Ausblick auf eine neue Freizeitbeschäftigung macht Wawrinkas aktuelle Situation besonders greifbar: Einerseits das langsame Abebben der sportlichen Erfolge, anderseits das bewusste Gestalten des Übergangs vom Profi- zum Ex-Profi.
- Alter: 41 Jahre
- Grand-Slam-Titel: 3
- Jüngster Erfolg seit März: 1 Sieg (1. Runde in Genf)
Wawrinkas Abschied in Gstaad wirkt nicht wie ein abruptes Ende, sondern wie ein langsamer Scheinwerfer, der noch ein letztes Mal über eine bewährte Karriere wandert. Die Fans lieferten das Echo, die Arena die Bühne, und der Romand liess Worte der Dankbarkeit zurück. Die verbleibenden Auftritte – in Basel und bei der Show in Genf – werden nun die letzten Kapitel dieser Ära markieren, bevor der 41-Jährige die Tennisschuhe an den Nagel hängt und sich anscheinend den Skiern zuwendet.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Alter | 41 |
| Grand-Slam-Titel | 3 |
| Siege Anfang Saison | 6 (erste 2 Monate) |
| Siege seit März | 1 (1. Runde in Genf) |