Die Schweiz präsentiert sich an dieser WM in beeindruckender physischen Verfassung. Ein Teil dieses Aufschwungs hat weniger mit Ernährungsplänen oder Teamsessions zu tun, sondern mit präziser, individueller Arbeit an der Geschwindigkeit. Im Zentrum steht Rolf Fongué, ein ehemaliger Spitzenathlet, der seine Expertise als Speed- und Performance-Coach mittlerweile Nati-Profis anbietet.
Vom 100-m-Sprinter zum Performance-Spezialisten
Fongué, Jahrgang 1988, blickt auf eine erfolgreiche Leichtathletik-Karriere zurück: dreimal Schweizer Meister über 100 m zwischen 2010 und 2012 und eine Bestzeit von 10,25 Sekunden. Nach der Karriere leitete er ein Fitnesscenter und machte sich 2023 selbstständig. Sein Zugang zum Fussball war anfänglich durch Zufall, doch schnell entwickelte sich daraus ein professionelles Angebot: Heute betreut er rund 60 Fussballer und beschäftigt vier Mitarbeitende.
Messbare Fortschritte bei Nati-Profis
Die Resultate sprechen für sich. Namentlich Nico Elvedi hat laut Fongué seine Spitzengeschwindigkeit innerhalb eines halben Jahres von 32,4 km/h auf 34,6 km/h gesteigert. Auch Noah Okafor zählt zu den prominenten Klienten; weitere bekannte Namen sind Alessandro Vogt, Silvan Hefti und Ridle Baku.
| Spieler / Kennzahl | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Nico Elvedi – Spitzengeschwindigkeit | 32,4 km/h | 34,6 km/h |
| Rolf Fongué – persönliche Bestzeit (100 m) | 10,25 s | |
Die Methode: Biomechanik statt reiner Kraft
Fongué betont, dass der grösste Hebel in der Biomechanik liege. Viele Fussballer würden ihr Potenzial nicht vollständig abrufen, weil qualitativ hochstehende Sprinttrainings fehlen. «Sprinttrainings von hoher Qualität werden im Fussball kaum gemacht. Viele wissen nicht, wie sie ihren Körper ansteuern können», sagt Fongué. Er vergleicht seine Arbeit mit der Formel 1: Das Fahrzeug mag leistungsfähig sein, aber der Fahrer muss es beherrschen.
«Im Idealfall kann ein Athlet seine Spitzengeschwindigkeit sogar innerhalb eines einzelnen Trainings bis zu 1,5 km/h verbessern.»
Seine Erfahrung als einst einer der schnellsten Männer der Schweiz gibt ihm Glaubwürdigkeit; seine Resultate bringen konkrete Vorteile im Wettkampf: schnellere Antritte, bessere Duellstärke und erhöhte Erfolgswahrscheinlichkeit bei Umschaltmomenten.
- Individuelle Diagnostik: Biomechanische Analyse zur Identifikation von Steuerungsdefiziten.
- Gezielte Technikarbeit: Fokus auf Antritt, Schrittlänge und Frequenz.
- Qualitativ hochstehende Sprintreize: Weniger Masse, mehr Präzision.
Die Arbeit von Fongué ist ein Hinweis darauf, dass moderne Leistungsentwicklung im Profi-Fussball über zusätzliche, spezialisierte Betreuungsschritte läuft. Für die Schweizer Nati könnte das eine nachhaltige Komponente sein: Wenn einzelne Spieler in Spitzengeschwindigkeit zulegen, verändert das kollektive Spieltempo und eröffnet taktische Optionen. Wie tiefgreifend dieser Effekt auf die Teamleistung insgesamt ist, wird die weitere Turnierphase zeigen. Fest steht: Geschwindigkeit ist heute nicht mehr nur ein körperliches Attribut, sondern Resultat präziser Entwicklungsarbeit.