Einfluss neu vermessen: Politik und Wirtschaft rücken vor
Die aktuelle Rangliste der «100 Einflussreichsten in Vorarlberg» offenbart eine deutliche Verschiebung im regionalen Machtgefüge. Die Jury, die den Einfluss nicht am Lebenswerk, sondern an der gegenwärtigen Wirkkraft bemisst, hat 18 Personen erstmals in die Top 100 aufgenommen. Auffällig: Ein Großteil dieser Neueinsteiger kommt aus den Reihen von Wirtschaft und Politik, während die Kultur an Boden verliert.
Wer neu und sichtbar ist
Zu den vorgestellten Persönlichkeiten zählen unter anderem Valentin Drexel (Rang 92), zuständig für Expansion und Projektentwicklung bei SPAR, sowie Michael Diem, der als Geschäftsführer die Bregenzer Festspiele leitet und auf dem Listenplatz direkt hinter Drexel eingereiht ist. Ebenfalls neu genannt wird der Bludenzer Bürgermeister Simon Tschann (Platz 95), dessen Präsenz als Hinweis auf die zunehmende Gewichtung kommunaler Politik interpretiert wird. Komplettiert wird die Gruppe durch Guido Flatz (96), stellvertretender Obmann der Regio Bregenzerwald, und Wilhelm Klagian (97), ein im Hintergrund agierender Anwalt.
- 18 Personen haben es erstmals unter die Top 100 geschafft.
- 5 der heute veröffentlichten Plätze entfallen auf Neueinsteiger.
- 5 der Neuen stammen aus der Wirtschaft, 4 aus der Politik.
Die Kultur verliert Sichtbarkeit
Die Jury betont, wer aktuell Entscheidungen prägt, stehe oben — jene, deren Einfluss bereits überschritten scheint, rücken zurück. Diese Bewertungslogik trifft die Kultur deutlich: Zwar sind laut der Veröffentlichung zwei neue Namen aus dem Kulturbereich hinzugekommen, gleichzeitig haben jedoch fünf Kulturschaffende ihren Platz in der Rangliste verloren. Prominent genannt wird, dass die Musikerin Evelyn Fink-Mennel 2026 nicht mehr auf der Liste verzeichnet ist; auch andere zuvor gelistete Kulturschaffende fehlen diesmal.
Folgen und Einordnungen
Die Verschiebung hat mehrere Implikationen: Eine stärkere Gewichtung wirtschaftlicher und politischer Akteurinnen und Akteure spiegelt veränderte Entscheidungsspielräume und Prioritäten wider — etwa bei Förderentscheidungen, öffentlichen Projekten und medialer Präsenz. Für die Kulturbranche bedeutet die geringere Sichtbarkeit in einem solchen Ranking nicht zwangsläufig schwindende Qualität, wohl aber Gefahr für Aufmerksamkeit und Einfluss in öffentlichen Diskursen.
| Kategorie | Anzahl (Quelle) |
|---|---|
| Neueinsteiger insgesamt | 18 |
| Neue aus Wirtschaft | 5 |
| Neue aus Politik | 4 |
| Kulturschaffende, neu | 2 |
| Kulturschaffende, ausgeschieden | 5 |
Die Liste, so lässt sich resümieren, ist weniger eine Bestandsaufnahme kultureller Leistungen als ein Abbild gegenwärtiger Einflussströme. Sie zeigt, welche Akteurinnen und Akteure aktuell das politische und wirtschaftliche Geschehen in Vorarlberg prägen — und offenbart zugleich die Verwundbarkeit jener Bereiche, die künftig um Sichtbarkeit und Ressourcen kämpfen müssen.