Überlebensgeschichte und Mahnung im historischen Kontext
Die 91-jährige Eva Weyl, eine der letzten noch lebenden Zeitzeuginnen der nationalsozialistischen Diktatur, hat vor Studierenden der Rechtswissenschaften im Oberlandesgericht Düsseldorf über ihre Erlebnisse im Durchgangslager Westerbork berichtet. Weyl schilderte, wie sie in ihrer Kindheit und Jugend jahrelang interniert war und mehrfach dem Transport in Vernichtungslager entging.
Die Veranstaltung fand im Rahmen eines Justizkolloquiums statt und richtete sich an die Zweitsemester der Heinrich-Heine-Universität. Eingeleitet wurde der Anlass durch ein Grußwort von NRW-Justizminister Benjamin Limbach, der auf die nachlassende Kenntnis über die Verbrechen der Nazi-Diktatur hinwies und die Verantwortung für Erinnerungskultur betonte.
Konkrete Zahlen und Historie
Weyl berichtete über die Vorgänge in Westerbork und nannte dabei zentrale Zahlen, die das Ausmass der Verfolgung verdeutlichen: Von Westerbork aus wurden laut ihren Angaben insgesamt 107.000 Juden, Sinti und Roma deportiert; lediglich rund 5.000 überlebten die Shoa.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Alter der Zeitzeugin | 91 Jahre |
| Deportierte aus Westerbork | 107.000 |
| Überlebende aus Westerbork | 5.000 |
Appell an die junge Generation
Weyl erklärte, sie habe eine klare Mission: aufzuzeigen, «wozu Hass, Hetze, Intoleranz, Neid, Feindschaft und Ausgrenzung führen können». Sie wandte sich besonders an die jungen Zuhörenden und machte deutlich, dass deren Verantwortung nicht darin bestehe, Schuld zu tragen, sondern sicherzustellen, dass sich derartige Verbrechen nicht wiederholen.
„Die jungen Leute tragen keine Schuld für das, was passiert ist. Aber sie tragen Verantwortung dafür, dass es sich nie mehr wiederholt.“
Bedeutung für Erinnerung und Recht
Die Wahl des Veranstaltungsorts — ein Oberlandesgericht — war nicht zufällig: Orte des Rechts erscheinen als geeignete Räume, um über staatliche Gewalt, Rechtssysteme und deren Missbrauch zu reflektieren. Die Verbindung von juristischer Ausbildung und lebendiger Erinnerungskultur erhöht die Chance, dass künftige Juristinnen und Juristen die Bedeutung rechtsstaatlicher Prinzipien und den Wert der Menschenrechte verinnerlichen.
Praktische Folgen für die Öffentlichkeit
- Solche Zeitzeugenberichte ergänzen schulische Vermittlung und können in juristischen Studiengängen curricular verankert werden.
- Für lokale Gedenkarbeit bleibt die Dokumentation von Zeugenaussagen zentral, solange lebende Zeitzeuginnen und -zeugen zur Verfügung stehen.
- Die Veranstaltung thematisiert die Notwendigkeit, in politischen und rechtlichen Institutionen aktiv gegen Hass und Hetze vorzugehen.
Der Vortrag im OLG Düsseldorf zeigt, wie Erinnerungskultur konkret praktiziert werden kann: durch direkte Begegnung, durch Zahlen, die das Ausmass dokumentieren, und durch Forderungen an die nächste Generation, Verantwortung für das Bewahren der demokratischen und menschlichen Grundlagen zu übernehmen.