Eine Gruppe von Bildungsfachleuten hat die Öffentlichkeit aufgefordert, dem Zustand der Schweizer Schulen höhere Priorität einzuräumen. Mit dem vor zwei Monaten vorgestellten «MANIFEST für einen bildungswirksamen Unterricht» haben Vertreterinnen und Vertreter aus Unterricht, Schulleitung, Heilpädagogik, Erziehungswissenschaft sowie der Politik auf «schwerwiegende Fehlentwicklungen» hingewiesen und Veränderungen eingefordert.
Wer steht hinter dem Manifest und worum geht es?
Die Initiative ist bewusst fach- und parteiübergreifend aufgestellt: Teilnehmende kommen laut Quelle aus dem Kreis von Lehrpersonen, Schulleitungsmitgliedern, Erziehungs- und Bildungsräten, Heilpädagogen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Pädagogischen Hochschulen sowie der Politik. Politisch reicht das Spektrum von SP über GLP, FDP bis SVP und schliesst Parteilose mit ein. Als Mitunterzeichner wird Dr. phil. Beat Kissling genannt, der den Gastbeitrag verfasst hat.
Die zentralen Problempunkte
Das Manifest formuliert eine Reihe von Alarmzeichen, die nach Auffassung der Fachleute nicht länger ignoriert werden dürfen. Besonders hervorgehoben werden:
- Sinkendes Leistungsniveau: Seit Jahrzehnten nehme die Qualität der Schulen ab.
- Basiskompetenzen betroffen: Rund 25 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger nach der 9. Klasse könnten «nicht richtig lesen und schreiben».
- Zunahme psychischer und medizinischer Interventionen: Es gebe einen Anstieg bei psychiatrischen Diagnosen, medikamentösen Therapien sowie bei jungen IV-Bezügerinnen und -Beziehern.
- Gestörte Lernbedingungen: In manchen Klassen sei Konzentration angeblich nur noch mit Hörschutzgeräten möglich.
„Jedes Kind geht nur einmal zur Schule.“
Dieser Kernsatz des Manifests bringt die Dringlichkeit auf den Punkt: Bildung in der Schule ist einmalig und muss deshalb in dieser Phase zuverlässig wirken.
Folgen und Handlungsbedarf
Die Stellungnahme der Fachleute zielt auf eine nationale Diskussion über Verantwortlichkeiten, Standards und konkrete Massnahmen. Für Eltern und Lernende bedeutet dies konkret:
- Es muss geklärt werden, wer für die Sicherung der Unterrichtsqualität verantwortlich ist und wie diese Verantwortung überprüfbar gemacht wird.
- Frühzeitige Förderangebote und klare Standards für Basiskompetenzen wie Lesen und Schreiben sind notwendig, damit Defizite nicht zur Langzeitfolgen führen.
- Die Zunahme psychischer Belastungen und medikamentöser Therapien verlangt, dass schulische Rahmenbedingungen, Begleitangebote und die Zusammenarbeit mit Gesundheitsstellen überprüft werden.
Die Gruppe fordert damit nichts weniger als eine Kurskorrektur: Zurück zu einem hohen Qualitätsniveau der Schulen, das systematisch gesichert und nicht dem Zufall überlassen wird. Wie breit diese Forderung politisch unterstützt und mit welchen konkreten Massnahmen sie umgesetzt wird, bleibt Gegenstand der nationalen Debatte.
| Problemfeld | Beobachtung aus dem Manifest |
|---|---|
| Basiskompetenzen | 25 % der 9.-Klässlerinnen und -Klässler können nicht richtig lesen und schreiben |
| Psychische Gesundheit | Anstieg psychiatrischer Diagnosen, medikamentöser Therapien und junger IV-Bezügerinnen und -Bezüger |
| Lernumgebung | In einzelnen Klassen ist konzentriertes Arbeiten nur noch mit Hörschutz möglich |
Wer jetzt Verantwortung übernimmt — Kantone, Schulen, Lehrpersonen oder die Bildungspolitik — und welche konkreten Massnahmen folgen, ist offen. Die Veröffentlichung des Manifests hat jedoch die Debatte um die Zukunft der Schweizer Schulen deutlich belebt und fordert Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Behörden gleichermassen heraus.