Hohe Anschlussquote, aber spürbare Lücken im Lehrstellenmarkt
Eine aktuelle Datenerhebung des Amts für Berufsbildung des Kantons St.Gallen zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen beim Austritt aus der Volksschule bereits weiss, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Von den rund 4'990 befragten Schülerinnen und Schülern verfügten 96,6 Prozent über eine Anschlusslösung; bei den Jugendlichen aus Brückenangeboten lag der Anteil bei 83,1 Prozent.
Die Zahlen geben Anlass zur Beruhigung: Insgesamt entscheiden sich 80,8 Prozent der Jugendlichen für eine Berufslehre oder eine weiterführende Schule. Damit bleibt die duale Berufsbildung die mit Abstand wichtigste Anschlussvariante.
Wer wählt welchen Weg? Differenzen nach Schulform und Geschlecht
Der Blick in die einzelnen Schulformen zeigt jedoch Unterschiede: Aus den Sekundarklassen treten 98,5 Prozent mit einer Anschlusslösung aus, in den Realklassen sind es 94,4 Prozent, in den Kleinklassen 90,3 Prozent und bei den Brückenangeboten 83,1 Prozent. Insgesamt entscheiden sich 77,6 Prozent aller Schülerinnen und Schüler für eine Lehre; bei den weiblichen Jugendlichen liegt dieser Anteil mit 66,2 Prozent deutlich tiefer, da sie häufiger eine weiterführende Schule oder Zwischenlösung wählen.
- 96,6 % aller befragten Schulabgänger haben eine Anschlusslösung.
- 80,8 % beginnen eine Lehre oder besuchen eine weiterführende Schule.
- 1'700 Lehrstellen sind im Kanton derzeit offen.
Offene Lehrstellen als Warnsignal
Trotz der hohen Anschlussquote weist die Meldung auf ein strukturelles Problem hin: Aktuell sind im Kanton rund 1'700 Lehrstellen unbesetzt. Das macht deutlich, dass Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt nicht vollständig zusammenfinden — eine Herausforderung für Ausbildungsbetriebe und die zukünftige Fachkräfteversorgung.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Befragte Jugendliche | 4'990 |
| Anschlussquote gesamt | 96,6 % |
| Anteil Lehrlingswahl | 77,6 % |
| Derzeit offene Lehrstellen | 1'700 |
Das kantonale Amt für Berufsbildung weist ausserdem darauf hin, dass erfahrungsgemäss rund zwei Drittel der Jugendlichen, die zum Zeitpunkt der Erhebung noch keine Anschlusslösung hatten, bis zum Schuljahresbeginn doch noch eine Perspektive finden. Konkret waren 4,8 Prozent der Befragten ohne Abschlussplanung — das sind 241 Jugendliche, also 25 mehr als im Vorjahr.
Was bedeutet das für Eltern und Lernende?
Für Eltern und Lernende heisst das: Frühzeitig Informationen zu Lehrbetrieben und weiterführenden Schulen einholen, Bewerbungsunterlagen vorbereiten und die Beratung durch Berufsberatungsstellen aktiv nutzen. Für Betriebe ist es wichtig, Ausbildungsplätze sichtbar und attraktiv zu machen, um die Lücke zwischen offenen Lehrstellen und Interessenten zu schliessen.
Die Zahlen aus St.Gallen sind kein isolierter Befund: Sie spiegeln strukturelle Fragen des Lehrstellenmarktes, der Berufsorientierung und der Geschlechterverteilung in Ausbildungswegen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie viele der aktuell offenen Plätze noch besetzt werden können und welche Massnahmen auf kantonaler und betrieblicher Ebene Erfolge bringen.