Mehr Geld für Oeschgen — aber Kritik an System bleibt
Die Reorganisation des Aargauer Finanz- und Lastenausgleichs bringt der Gemeinde Oeschgen nach Modellrechnungen auf Basis der Zahlungen 2025 ein Plus von insgesamt 111'618 Franken. Das entspricht einer Entlastung des Steuerfusses von rund 3,9 Prozentpunkten für die rund 1'200 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Gemeinde.
Der Gewinn setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Beim räumlich-strukturellen Lastenausgleich stünde Oeschgen ein Betrag von 77'618 Franken zu, der Soziallastenausgleich würde zusätzlich 34'000 Franken bringen. Trotz dieser Zuwächse bleibt die Stimmung im Finanzdepartement der Gemeinde kritisch.
«Wir waren nie glücklich mit der Ausgestaltung des Finanzausgleichs»
So fasst Alessandro Quaresima, Finanzgemeinderat von Oeschgen, die Haltung zusammen. Seine Kritik betrifft weniger das unmittelbare Plus für Oeschgen als die grundsätzliche Logik des Systems: Kleine, ländliche Gemeinden würden bei der Reform insgesamt schlechter gestellt.
Historischer Bezug: Kritik bereits 2015
Die aktuelle Debatte knüpft an Widerstand an, der schon bei der Einführung des neuen Modells 2015 entstand. Damals hatten mehrere ländliche Gemeinden eine Interessengemeinschaft gebildet und Einwände gegen die geplante Ausgestaltung erhoben; der Vorstoss war beim Kanton unter anderem als zu kompliziert abgelehnt worden. Oeschgen brachte seinerzeit einen eigenen Vorschlag ein, der nicht angenommen wurde.
Konkrete Zahlen im Überblick
| Position | Betrag (CHF) |
|---|---|
| Räumlich-struktureller Lastenausgleich | 77'618 |
| Soziallastenausgleich | 34'000 |
| Gesamter Mehrertrag | 111'618 |
Für die Bevölkerung bedeutet dieses zusätzliche Geld eine spürbare Entlastung des Gemeindesäckels: In Oeschgen würde der Steuerfuss um knapp vier Prozentpunkte sinken, wenn die Modellrechnung in reale Zahlungen umgesetzt wird.
Folgen und offene Fragen
- Finanzielle Entlastung für Oeschgen könnte kurzfristig Spielraum für lokale Leistungen oder Investitionen schaffen.
- Gleichzeitig besteht die Befürchtung, dass viele kleinere Gemeinden gegenüber grösseren oder städtischen Gemeinden benachteiligt werden.
- Der politische Streit um die Systemausgestaltung bleibt offen und könnte weitere Gespräche oder Nachbesserungen auf kantonaler Ebene auslösen.
Ob und wie der Kanton auf die Kritik aus dem ländlichen Raum reagieren wird, bleibt abzuwarten. Die Zahlen liegen vor, die politische Debatte über Verteilungsgerechtigkeit im Finanzausgleich aber ist damit keineswegs abgeschlossen.