Zurückhaltung trotz Bereitschaft zur Zusammenarbeit
Der Tessiner Staatsrat hat auf die Anfrage der italienischen Region Piemont wegen des niedrigen Wasserstands des Lago Maggiore zurückhaltend reagiert. Zwar signalisierte die Regierung Bereitschaft zur Zusammenarbeit, betonte aber gleichzeitig die begrenzten Handlungsmöglichkeiten des Kantons.
Als Gründe nannte die Regierung, dass die Schweiz selbst von der anhaltenden Trockenheit betroffen sei und die Wasserreserven in den Tessiner Stauseen sich am unteren Rand der in den letzten zehn Jahren verzeichneten Werte befinden. Zudem unterlägen viele Gewässer Konzessionen, die an private Betreiber ausserhalb des Kantons vergeben seien; gegenüber diesen Betreibern habe der Kanton keine Weisungsbefugnis. Weiter schränke die gesetzliche Pflicht zur Sicherung der Energieversorgung die Möglichkeiten ein.
Konkrete Unterstützung bei Trinkwasser-Notlage
Trotz der Einschränkungen sicherte der Staatsrat Hilfe zu, falls Piemont in eine Trinkwasser-Notlage gerate. Der Kanton erklärte, er sei bereit, kurzfristig eine mobile Wasseraufbereitungsanlage zur Verfügung zu stellen. Zudem habe die Regierung die Tessiner Wasserkraftbetreiber über die Anfrage aus Italien informiert.
„Wir können keine Minute länger warten“
Dieses Zitat stammt vom Regionalpräsidenten Piemonts, Alberto Cirio, der angesichts der Dürre in der Region einen Runden Tisch zum Wassernotstand einberufen hatte. Italienische Meldungen berichten, dass rund 100 Gemeinden bereits Verordnungen zur Regulierung des Trinkwasserverbrauchs erlassen hätten und in einigen Berggebieten Wassertankwagen eingesetzt werden.
- Ursache: Anhaltende Trockenheit und unterdurchschnittliche Niederschläge im Po-Becken.
- Auswirkung für Tessin: Begrenzte Wasserreserven in Stauseen und eingeschränkter Handlungsspielraum.
- Angbotene Hilfe: Mobile Wasseraufbereitungsanlage; Informationsweitergabe an Wasserkraftbetreiber.
Regionale Lage und Zahlen aus dem Nachbargebiet
Die italienischen Behörden verweisen auf ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit: Im Juni wiesen die durchschnittlichen Niederschläge im Po-Becken im Vergleich zum historischen Monatsmittel (1991–2020) ein Defizit von 36 Prozent auf. Parallel dazu lagen die Temperaturen deutlich über dem Mittel, was die Trockenheit verschärft.
| Faktor | Situation |
|---|---|
| Wasserstände | Stauseen im Tessin am unteren Rand der letzten 10 Jahre |
| Rechtliche Lage | Viele Gewässer konzessioniert an private Betreiber; Kanton ohne Weisungsbefugnis |
| Hilfsangebot | Mobile Wasseraufbereitungsanlage bei Trinkwasser-Notlage |
Was bedeutet das für die Bevölkerung im Kanton?
Für die Tessinerinnen und Tessiner bedeutet die Antwort der Regierung vorerst primär, dass der Kanton seine eigenen Reserven und die Energieversorgung schützen will. Konkrete Entnahmen zugunsten Italiens sind wegen der genannten rechtlichen und technischen Beschränkungen schwierig. Sollte die Lage in Piedmont jedoch eskalieren und es zu einer Trinkwasser-Notlage kommen, hat der Kanton seine Bereitschaft zur direkten Hilfe, etwa mit einer mobilen Aufbereitungsanlage, signalisiert.
Für die Bevölkerung bleibt wichtig:
- Sensible Nutzung von Trinkwasser wo möglich, um Reserven zu schonen.
- Beobachtung von offiziellen Mitteilungen des Staatsrats und der Gemeinden für allfällige Schutzmassnahmen.
- Informationen zu lokalen Versorgungsänderungen folgen in den kommunalen Kanälen und bei den Versorgungsunternehmen.
Die Situation zeigt die grenzüberschreitende Abhängigkeit in wasserpolitischen Fragen und die Herausforderung, Versorgungssicherheit, private Konzessionsverhältnisse und Nachbarschaftshilfe in Einklang zu bringen.