Rückkehr des Bibers an den Ticino: Tessin beobachtet Entwicklungen in Norditalien
Berichte aus Norditalien deuten darauf hin, dass sich der Europäische Biber entlang des Ticino wieder ansiedelt. Erste Sichtungen und Spuren entlang des Flusses wurden insbesondere auf italienischer Seite dokumentiert. Im Kanton Tessin liegt bislang kein bestätigter Nachweis vor; Fachstellen und Schutzgebiete haben jedoch ein gemeinsames Monitoring gestartet, um mögliche Ausbreitungen lückenlos zu verfolgen.
Die jüngsten Hinweise beziehen sich auf mehrfach beobachtete Spuren: Silhouetten im Wasser, angenagte Baumstämme und weitere eindeutige Zeichen für den Präsenztypischen Einfluss der Tiere. Diese Angaben stammen aus dem Umfeld des lombardischen Ticino-Parks, das mit weiteren Schutzgebieten koordiniert zusammenarbeitet.
„Für uns ist das eine aussergewöhnliche Nachricht“, sagt Monica Di Francesco, Leiterin der Wildtierabteilung des lombardischen Ticino-Parks. „Wir können von mehreren Individuen sprechen, aber noch nicht von einer Population. Derzeit handelt es sich um eine erste Besiedlung.“
Zur Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung wurde ein Koordinationsnetzwerk eingerichtet. Es umfasst Schutzgebiete entlang des Ticino, des Lago Maggiore sowie im Umfeld des Campo dei Fiori und des Val Grande. Die Datensammlung wird vom Forscher Andrea Mosini koordiniert. Auch Meldungen von Fischerinnen und Fischern, Kanufahrenden und Anwohnern sollen in die Datenbasis einfliessen.
- Datum erster bekannter Sichtung: Dezember 2024 (italienisches Gebiet)
- Aktueller Stand: Mehrere Indizien auf italienischer Seite, im Tessin noch keine Bestätigungen
- Monitoring: Gemeinsames Programm mehrerer Schutzgebiete, Koordination durch Andrea Mosini
Für die Bevölkerung des Tessins haben diese Entwicklungen mehrere praktische Implikationen. Einerseits kann die Anwesenheit von Bibern die Struktur von Uferbereichen verändern: die Tiere fällen Bäume, bauen Dämme und schaffen neue Feuchtgebiete, was ökologische Vorteile wie erhöhte Biodiversität mit sich bringen kann. Andererseits können solche Eingriffe lokale Nutzungen tangieren, etwa Zugang zu Wasserläufen oder Fischereipraktiken. Fachpersonen betonen, dass der Biber sich ausschliesslich pflanzlich ernährt und entgegen einigen Vorurteilen keine Fische frisst.
Wie Bürgerinnen und Bürger beobachten und melden können
Die Schutzgebiete haben darum gebeten, Beobachtungen, Bilder oder Fundstellen von Spuren weiterzumelden. Konkrete Meldungen aus dem Tessin sind derzeit nicht bestätigt; Hinweise aus dem Grenzraum zum italienischen Ticino sind jedoch für das Monitoring von hoher Bedeutung.
| Akteur | Rolle |
|---|---|
| Lombardischer Ticino-Park | Koordination der Meldungen und Beobachtungen |
| Schutzgebiete am Lago Maggiore, Campo dei Fiori, Val Grande | Gemeinsames Monitoring |
| Andrea Mosini | Koordination der Untersuchungen |
Für Anwohnerinnen und Nutzer der Flussufer gilt: Beobachtungen sind willkommen, direkte Eingriffe in Tiere sind zu unterlassen. Die fachliche Einordnung von Spuren (angeknabberte Baumstämme, Pfotenspuren, Dämme) erfolgt durch Experten, die auf Grund der gemeldeten Hinweise beurteilen, ob es sich um Biberspuren handelt. Solange keine bestätigten Nachweise aus dem Tessin vorliegen, bleibt die Lage als erste Besiedlung im italienischen Teil des Ticinotals zu werten.
Die weiteren Schritte umfassen die Fortsetzung des Monitorings und die Auswertung eingegangener Hinweise. Sollte der Biber das Tessin erreichen, werden zuständige kantonale und regionale Stellen die Bevölkerung über mögliche Konsequenzen und Schutzmassnahmen informieren.