Neues Misstrauen an der Basisberechnung
Ein Gutachter, der 2011 im Rahmen des sogenannten Stresstests die Kapazität des geplanten Tiefbahnhofs von Stuttgart 21 mitvertrat, hat seine damalige Einschätzung relativiert. Nach Angaben von tagesschau.de erklärte Werner Stohler, er habe die Prüfmethodik und die Datengrundlage damals nicht in der gebotenen Unabhängigkeit geprüft. Diese Neubewertung betrifft vor allem die zentrale Annahme, dass der Tiefbahnhof dauerhaft 49 Züge pro Stunde abwickeln könne.
Was genau sagt der Gutachter?
Laut dem Bericht bemängelt Stohler, dass die Prüfung weniger eine realistische Analyse der Leistungsfähigkeit des Bahnhofs gewesen sei als eine Überprüfung, ob die Vorgabe von 49 Zügen pro Stunde prinzipiell erreichbar sei. Auf diese Weise sei nicht objektiv ermittelt worden, wie viele Züge der Bahnhof tatsächlich in einem regulären Betrieb bewältigen kann.
"Hätte man den Bahnhof auf eine sinnvolle Leistung untersucht, wäre man auf eine geringere Zahl an Zügen gekommen."
Konsequenzen für Reisende aus Baden
Für Pendlerinnen und Pendler aus dem Kanton Aargau, die regelmässig über den Bahnhof Basel oder durch die Limmat- und Rheintalachsen nach Stuttgart und weiter in die deutschen Fernverkehrsknoten fahren, dürfte die Diskussion vor allem zwei Fragen aufwerfen:
- Verändert sich die erwartete Leistungsfähigkeit so weit, dass Fahrpläne und Anschlusszeiten angepasst werden müssen?
- Stehen langfristige Verbesserungen der Verkehrsverbindungen infolge des Projekts auf dem Spiel, wenn die Kapazitätsannahmen nicht greifen?
Die Deutsche Bahn und die zuständige Prüfgesellschaft SMA weisen Stohler zufolge die Kritik zurück: SMA erklärte auf Anfrage, man stehe weiterhin zur Qualität und Methodik der Auditierung, und die Bahn hält an der Plausibilität des Stresstests fest. Dennoch dürfte die öffentliche Debatte zu neuen Prüf- und Planungsschritten führen, die wiederum Auswirkungen auf Projektzeitplan und Betriebskonzepte haben können.
Fakten kompakt
| Jahr | Aussage |
|---|---|
| 2011 | Stresstest: Kapazität des Tiefbahnhofs angegeben mit 49 Zügen pro Stunde |
| 2026 | Frühere Gutachterstimme (Werner Stohler) relativiert die damalige Methodik und Aussage |
Ob konkrete Fahrpläne oder Verbindungen für Reisende zwischen Baden und Stuttgart direkt geändert werden, ist derzeit nicht absehbar. Entscheidend werden weitere Prüfungen, Behördenentscheidungen und mögliche Nachbesserungen am Projekt sein. Für Pendlerinnen und Pendler bleibt wichtig, aktuelle Fahrplaninformationen der SBB und der Deutschen Bahn zu verfolgen, besonders wenn Anschlusszeiten an deutschen Knoten betroffen sind.
Ausblick
Die erneute Kritik an einer früheren Kapazitätsberechnung macht deutlich, wie anspruchsvoll langfristige Prognosen in grossen Infrastrukturprojekten sind. Für die Region Nordwestschweiz könnte dies bedeuten, dass politische und verkehrsplanerische Diskussionen erneut an Fahrt gewinnen. Betroffene Behörden und Betreiber werden sich anpassen müssen, sollten die technischen oder betrieblichen Annahmen des Stresstests einer vertieften Überprüfung nicht standhalten.