Weltweit sinken Investitionen in Bildung — Folgen für Zugang und Qualität
Die UNESCO hat am 11. Juli auf dem vierten Gipfel zur Transformation des Bildungswesens (TES 4) eine Serie neuer Berichte vorgestellt, die ein alarmierendes Bild zeichnen: Bildung erhält immer weniger Anteil an der internationalen Entwicklungshilfe, gleichzeitig belasten steigende Schulden viele Staatsbudgets so stark, dass sie mehr für Schuldentilgung als für Bildung ausgeben.
Die wichtigsten Daten der UNESCO auf einen Blick:
- 7,5 % — Anteil der Bildung an der weltweiten öffentlichen Entwicklungshilfe im Jahr 2024, dem niedrigsten Wert seit 20 Jahren.
- Prognose: Bis zu 30 % Rückgang der Hilfe für Bildung zwischen 2023 und 2027.
- 97 Milliarden US-Dollar — geschätzte jährliche Finanzierungslücke in Ländern mit niedrigem und unterem mittlerem Einkommen.
- 113 Länder mit rund 6,1 Milliarden Einwohnern geben inzwischen mehr für Schuldenrückzahlung als für Bildungsinvestitionen aus.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Anteil Bildung an ODA (2024) | 7,5 % |
| Prognostizierter Rückgang ODA Bildung (2023–2027) | bis 30 % |
| Jährliche Finanzlücke (Niedrig-/unteres Mittelfeld) | 97 Mrd. USD |
| Betroffene Länder | 113 Länder, 6,1 Mrd. Menschen |
Die Berichte zeigen, dass in vielen Staaten die realen Ausgaben für Bildung stagnieren oder rückläufig sind. Das hat direkte Folgen:
- eingeschränkter Zugang zu Schulbildung, vor allem für Mädchen und benachteiligte Gruppen;
- geringere Qualität der Ausbildung wegen fehlender Investitionen in Lehrkräfte, Infrastruktur und Lernmaterialien;
- vergrösserte Bildungsungleichheit, die Entwicklungsfortschritt und wirtschaftliche Chancen langfristig hemmt.
UNESCO fordert Schulden-gegen-Investitionen-Mechanismus
Als Reaktion empfiehlt die UNESCO einen Mechanismus, mit dem Auslandsschulden in direkte Investitionen in das Bildungswesen umgewandelt werden könnten. Zusätzlich hat die Organisation technische Leitlinien bereitgestellt, die Ländern helfen sollen, einen solchen Mechanismus umzusetzen und so Mittel gezielt in Schulen, Ausbildung und Lehrpersonal zu lenken.
UNESCO-Generaldirektor Khaled El-Enany betonte, dass Bildung die effektivste Investition sei, die Länder tätigen könnten, dennoch werde sie systematisch unterfinanziert.
Die UNESCO warnt, dass ohne Gegensteuer ein Teufelskreis droht: sinkende Hilfe führt zu Unterfinanzierung, das steigert Ungleichheiten und verlangsamt Entwicklung. Für nationale Akteure in Politik und Entwicklungszusammenarbeit bedeutet das konkret, Prioritäten und Instrumente zu überdenken. Für Eltern und Lernende in betroffenen Ländern heisst das, dass sich die Aussichten auf stabile und qualitativ gute Bildung vermutlich verschlechtern, solange die Finanzierungslücke bleibt.
Praktisch relevant sind die neuen Leitlinien vor allem für Regierungen, internationale Geldgeber und Schuldengläubiger: Sie bieten eine Handlungsoption, wie Schuldendienstbelastungen reduziert und gleichzeitig Investitionen in Bildung erhöht werden können. Ob und wie schnell Staaten und internationale Kreditgeber diese Lösung annehmen, wird entscheidend dafür sein, ob die prognostizierten Rückgänge der Bildungsförderung abgefedert werden können.