Eine Stadt als Bühne: Gegen die Standardisierung
Romadiffusa, das von Sara D'Agati mitgegründete Stadt-Branding-Projekt, versteht urbane Räume als erzählbare Landschaften. In seinem sichtbarsten Ausdruck formiert sich diese Idee zu einem Festival, das inzwischen in seiner vierten Ausgabe stattfindet und das Publikum auf eine andere Art mit der Stadt in Kontakt bringt. Das Anliegen ist klar: Orte aufspüren, die ihre Authentizität bewahren, und sie gegen die Vereinheitlichung durch Tourismus und Konsum verteidigen.
Vier Tage, 24 Stunden: Ein andersartiges Kennenlernen
Das Festival transformiert für vier Tage ganze Quartiere zu einem dynamischen, kreativen Spielplatz. Den Rahmen beschreibt D'Agati als eine Art «Kulturschock» für jene, die die Stadt nur aus bekannten, touristischen Perspektiven kennen. Ziel ist es, Kontraste zu schaffen: Museen neben Untergrundklängen, Kirchen, in denen elektronische Musik erklingt, verwinkelte Gassen, die zu experimentellen Projektflächen werden. Damit will Romadiffusa Machtverhältnisse sichtbar machen und die Hierarchie zwischen etablierten und marginalisierten Räumen infrage stellen.
Community, Reichweite und Aktivierung
Romadiffusa verfügt über eine aktive Community, digital wie vor Ort, und erreicht nach Angaben der Initiantinnen und Initianten fast 100.000 Besucherinnen und Besucher. Diese Zahlen belegen, dass das Format nicht nur künstlerisches Interesse bedient, sondern auch ein Publikum mobilisieren kann, das sich anderswo vielleicht nicht mit der Stadt auseinandersetzt. Die Methode ist dabei so simpel wie wirkungsvoll: Kartografieren, aktivieren, Inhalte einsetzen — und so Orte sichtbar machen, die andernfalls in der touristischen Fassade untergingen.
„Romadiffusa ist ein Stadt-Branding-Projekt, dessen sichtbarste Ausstrahlung ein weit verbreitetes Festival ist — dieses Jahr in seiner vierten Ausgabe — das inzwischen fast 100.000 Menschen anzieht.“
Ambivalenzen und Folgen
Das Format bringt allerdings auch Spannungen mit sich. Wenn Kultur Orte aufwertet und Aufmerksamkeit erzeugt, besteht die Gefahr, dass genau diese Sichtbarkeit zur Kommodifizierung führt, gegen die das Projekt sich ursprünglich richtet. Romadiffusa setzt dem einen bewusst aktivierenden Ansatz entgegen: nicht nur präsentieren, sondern Räume temporär neu bespielen, lokale Akteurinnen und Akteure einbinden und so eine andere Wahrnehmung schaffen. Ob und wie nachhaltig sich dadurch Strukturen verändern lassen, bleibt eine offene Frage — doch das Festival liefert praktische Beispiele, wie Stadtkultur partizipativ gedacht werden kann.
- Quartiersichtbarmachung: Kartografieren und Aktivieren bisher wenig beachteter Orte.
- Kontraste als Methode: Gegensätzliches (z. B. elektronische Musik in sakralen Räumen) bewusst zusammenbringen.
- Breite Resonanz: Festival zieht fast 100.000 Menschen an und schafft so eine überregionale Debatte über Stadt und Kultur.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Ausgabe | Vierte |
| Dauer | Vier Tage, 24 Stunden |
| Besucherinnen und Besucher | Fast 100.000 |
Romadiffusa zeigt, wie Kulturpolitik und künstlerische Praxis zusammenwirken können, um die öffentliche Wahrnehmung von Stadt zu verändern. Das Format ist kein Allheilmittel gegen die ökonomischen Kräf-te, die Städte transformieren; es bietet jedoch eine handfeste, sinnliche Alternative zu standardisierten Erzählungen — und eine Einladung, die eigene Stadt neu zu entdecken.