Stabile Hochdruckzone blockiert Gewitterbildung
Seit Mai bestimmt eine stabile Hochdrucklage das Wetter in der Schweiz. Diese Großwetterlage hat die Entstehung von Gewitterzellen in weiten Teilen des Landes deutlich gehemmt: Die Zahl der zwischen dem 1. April und dem 12. Juli registrierten Blitze war laut MeteoSchweiz die niedrigste seit 2015. Parallel dazu liegen die Niederschlagsmengen in den vergangenen drei Monaten in den meisten Regionen bei lediglich 30 bis 60 Prozent des Normalwerts.
Warum kein Gewitter aufkommt
Hochdruckgebiete sind charakterisiert durch trockene, absinkende Luftmassen, die Aufwärtsbewegungen und damit die für Gewitter notwendige Instabilität unterbinden. Meteorologe Mikhaël Schwander von MeteoSchweiz erklärt den Zusammenhang präzise:
«Für die Entstehung von Gewittern sind feuchte und instabile Bedingungen erforderlich, das heisst eine Temperatur, die mit zunehmender Höhe schnell abnimmt.»
Zusätzlich reduziert die derzeitige Trockenheit von Böden und Vegetation die lokal verfügbare Feuchtigkeit durch geringere Evapotranspiration – ein weiterer Faktor, der normalerweise zur Wolkenbildung beiträgt.
Auswirkungen auf Umwelt und Wasserhaushalt
Die Blockade der Westströmungen verhindert den Zustrom feuchter Luftmassen vom Atlantik, womit sich das Niederschlagsdefizit landesweit verstärkt. Die Folge ist eine ausgeprägte Trockenheit, die sich in mehreren Bereichen bemerkbar macht:
- Weniger Gewitterereignisse und damit geringere lokale Starkregen-Ereignisse, die Boden und Vegetation kurzfristig speisen könnten.
- Bodenfeuchte und Evapotranspiration bleiben reduziert, was die langfristige Wiederanreicherung von Grundwasser und Gewässerpegeln erschwert.
- Landwirtschaft und Vegetation können unter anhaltender Trockenheit leiden; Waldbrandrisiken können regional zunehmen.
Datenübersicht
| Zeitraum | Beobachtung |
|---|---|
| 1. April – 12. Juli | Blitzanzahl: niedrigster Wert seit 2015 |
| letzte 3 Monate | Niederschlag: 30–60 % des Normalwerts |
Die gegenwärtige Lage ist ein typisches Beispiel dafür, wie großräumige Atmosphärenmuster lokale Wasserbilanz und Wetterextreme steuern. Kurzfristig mag das Ausbleiben heftiger Gewitter Schaden durch Hagel oder Sturmböen vermindern, mittel- bis langfristig verschärft die Niederschlagsarmut jedoch die Trockenstress-Situation für Böden, Grundwasser und Ökosysteme. Ob und wann diese Hochdruckphase endet, hängt von einer Verlagerung der Druckgebilde und der damit verbundenen Rückkehr feuchter Westströmungen ab. MeteoSchweiz beobachtet die Entwicklung weiter und liefert aktualisierte Prognosen, sobald sich die Druckverhältnisse ändern.