Mehr Aufträge und Know-how: Kompensationen übertreffen Vorgabe
Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse und der US-Hersteller Lockheed Martin haben bei der Beschaffung der Kampfjets vom Typ F-35 grössere Gegengeschäfte angekündigt, als ursprünglich gefordert waren. Gemäss den Angaben sollen die Kompensationen einen Umfang von 73 Prozent des Kaufvertrags erreichen und damit das in der Volksabstimmung verankerte Ziel von 60 Prozent deutlich übertreffen. Das Beschaffungsprojekt umfasst ein Volumen von rund 6 Milliarden Franken.
Die angekündigten Aufträge sollen verschiedene Bereiche der Schweizer Wirtschaft und Forschung tangieren und damit nicht nur direkte Auftragsvolumen, sondern auch Know-how-Transfer und mögliche Folgeaufträge bringen. Genannt wurden unter anderem die Produktion von Halbleitern, die Entwicklung synthetischer Treibstoffe, Komponenten für die Cockpithaube sowie die Herstellung von Trainingsmunition. Zudem ist der Aufbau eines Trainingslagers für die Ausbildung am F-35-Triebwerk vorgesehen.
Konkrete Effekte für Industrie, Beschäftigung und Sicherheit
Die vereinbarten Gegengeschäfte zielen darauf ab, der heimischen Industrie Aufträge zu sichern und damit Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu stärken. Für Zulieferbetriebe und Forschungseinrichtungen bieten sich laut Armasuisse Möglichkeiten für neue Partnerschaften mit einem globalen Rüstungs- und Luftfahrtzuliefernetzwerk. Entscheidend für die nachhaltige Wirkung ist, ob die Projekte über reine Einmalaufträge hinaus zu längerfristiger Produktion und Forschung in der Schweiz führen.
- Direkte Beschaffungseffekte: Komponentenfertigung, Treibstoffentwicklung, Trainingsinfrastruktur.
- Indirekte Effekte: Technologietransfer, Qualifikation von Personal, mögliche Exportchancen.
- Politische Dimension: Überschreitung der im Abstimmungsbüchlein festgeschriebenen Kompensationsquote (60%).
Armasuisse und Vertreter von Lockheed Martin, darunter Patrick Nyfeler, präsentierten die Fortschritte gegenüber den Medien. Rüstungschef Urs Loher zeigte sich erfreut über die Entwicklungen, da Rüstungsbeschaffungen in der Schweiz oft kontrovers diskutiert werden. Die Behörden betonen, dass die Kompensationen nicht nur ökonomische Vorteile bringen, sondern auch die nationale Sicherheit stärken sollen, etwa durch lokales Know-how zur Wartung und Ausbildung.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Vorgeschriebene Kompensationsquote (Abstimmung) | 60 % |
| Erwartete Gegengeschäfte (laut Armasuisse/Lockheed Martin) | 73 % |
| Projektvolumen | 6 Milliarden (Franken) |
Offene Fragen bleiben
Wichtig ist, dass die Ankündigung in konkrete, vertraglich abgesicherte Aufträge mündet. Die Wirkung auf Beschäftigung und Zulieferketten hängt von der Ausgestaltung der Vereinbarungen ab: Werden Wertschöpfungsanteile dauerhaft in der Schweiz aufgebaut oder handelt es sich hauptsächlich um einmalige Fertigungsaufträge? Ebenfalls offen ist der Zeitplan für die Umsetzung der angekündigten Projekte und in welchem Umfang Forschungseinrichtungen eingebunden werden.
Die jetzt vorgelegten Zahlen bringen kurzfristig positive Signale für die Industrie. Ob daraus jedoch ein nachhaltiger Strukturgewinn für die Schweizer Wirtschaft resultiert, hängt von den nächsten Schritten der Verhandlungspartner und von der konkreten Umsetzung der einzelnen Vorhaben ab.