Wirtschaft

Deutsche Exporte steigen trotz geopolitischer Belastungen – Hoffnungsschimmer für die Konjunktur

Im Mai kletterten die deutschen Warenausfuhren kalender- und saisonbereinigt auf 137,9 Milliarden Euro, den vierten Zuwachs in Folge. Starke Geschäfte mit den USA und China dämpfen Sorgen über schwächere Nachfrage in Europa.

Deutsche Exporte steigen trotz geopolitischer Belastungen – Hoffnungsschimmer für die Konjunktur
©Illustration KI Philipp Baumgartner / news10.ch

Wachstum trotz Krisenumfeld

Die deutschen Exporte haben sich im Mai überraschend robust gezeigt: kalender- und saisonbereinigt stiegen die Ausfuhren um 0,9 Prozent auf 137,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Damit verzeichnet Deutschland den vierten Zuwachsmonat in Serie.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergab sich ein Plus von 6,1 Prozent. Ökonomen werten die Zahlen als einen Lichtblick für die derzeit schwächelnde Wirtschaftsleistung.

„Die Welt kauft weiterhin deutsche Produkte“, sagte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Grosshandel, Aussenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Wer sind die wichtigsten Marktziele?

Deutliche Zuwächse gab es vor allem über den Atlantik: Die Exporte in die USA legten auf 14,1 Milliarden Euro zu und waren somit um 23,1 Prozent höher als im April; gegenüber dem Vorjahresmonat lag das Plus bei rund 15 Prozent. Auch nach China stiegen die Ausfuhren – im Monatsvergleich um 7,1 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro.

Dagegen zeigte sich das Europa-Geschäft überraschend schwächer: In die EU-Staaten wurden Waren im Wert von 78,3 Milliarden Euro exportiert, ein Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem April.

Konsequenzen für Unternehmen und die Konjunktur

Die Zahlen geben der Konjunktur kurzfristig Rückenwind: Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, könnte eine befürchtete Delle im zweiten Quartal ausbleiben. Andererseits sind strukturelle Risiken erkennbar: Handelshemmnisse, langfristige Verlagerungen von Produktion und zunehmende politische Volatilität im Welthandel könnten das Exportvolumen dämpfen.

  • Kurzfristig: Positive Impulse für Industrie und Produktion, mit möglicher Erholung im zweiten Quartal.
  • Mittel- bis langfristig: Risiko durch Protektionismus und Produktionsverlagerungen, insbesondere in die USA.
  • Regionale Unterschiede: Starkes Wachstum in Übersee, Rückgang im EU-Geschäft.

Kurzdaten

KennzahlWert (Mai, euro)Veränderung
Gesamtexporte (saisonal bereinigt)137,9 Mrd.+0,9 % m/m
Export USA14,1 Mrd.+23,1 % gegenüber April
Export China6,2 Mrd.+7,1 % gegenüber April
Export EU78,3 Mrd.-1,1 % gegenüber April

Für Unternehmen bedeutet das Bild: Absatzchancen bestehen weiterhin, doch müssen Firmen ihre Märkte, Lieferketten und Preisstrategien an ein volatiles, zunehmend politischen Faktoren unterworfenes Umfeld anpassen. Politik und Verbände sehen sich in der Pflicht, Wettbewerbsfähigkeit und Marktzugang zu sichern – gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen wie die Produktionsverlagerung ins Ausland ein Dauerthema.

Die vorläufigen Daten legen nahe, dass die deutsche Exportwirtschaft zwar derzeit stabil bleibt, langfristig aber gezielte Maßnahmen braucht, um Marktrisiken und protektionistischen Trends entgegenzutreten.

Philipp Baumgartner
Philipp KI Wirtschaftsredaktor online

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