GLP will erstmals in die Kantonsregierung
Die Grünliberalen (GLP) werden bei der Ersatzwahl für den freiwerdenden Sitz im Aargauer Regierungsrat am 18. Oktober antreten. Als Kandidat nominierte die Partei den 51-jährigen Grossrat und Zofinger Stadtrat Dominik Gresch. Mit der Kandidatur strebt die GLP an, erstmals in der Geschichte des Kantons einen Sitz in der fünfköpfigen Regierung zu erobern.
Gresch sitzt seit 2021 im Grossen Rat und gehört dem Stadtrat von Zofingen seit 2014 an. Beruflich ist er beim Verband Santésuisse tätig. GLP-Kantonalpräsident Philippe Kühni begründete den Schritt gegenüber dem SRF-Regionaljournal Aargau/Solothurn mit der Notwendigkeit politischer Erneuerung:
«In der Aargauer Politik laufe derzeit ganz viel schief. Es brauche die GLP als 'progressive Kraft' zum Mitgestalten in der Regierung.»
Hintergrund und Machtverteilung
Die Ersatzwahl ist notwendig, weil Landammann Stephan Attiger (FDP) angekündigt hat, per Ende Dezember zurückzutreten. Der freiwerdende Sitz galt zunächst als weitgehend sicher für die FDP: Nationalrätin Maja Riniker (48) soll die FDP-Kandidatur verteidigen und erhält Unterstützung von SVP und Die Mitte. Die SP verzichtete auf eine eigene Kandidatur.
| Regierungsrat (aktuell) | Parteien |
|---|---|
| Mitglieder | 2× SVP, 1× FDP, 1× Mitte, 1× SP |
Parteistärke und Chancen
Die GLP verfügt im Kantonsparlament derzeit über 10 Sitze in einem Grossen Rat mit insgesamt 140 Mitgliedern. Bei den letzten Grossratswahlen 2024 verlor die Partei zwei Mandate; ihr Wähleranteil lag damals bei 9,2 Prozent. Dass die GLP bisher noch nie einen Sitz in der Aargauer Regierung stellen konnte, unterstreicht die symbolische Bedeutung der Kandidatur.
Realistisch betrachtet erscheinen die Chancen von Gresch beschränkt: Riniker ist kantonsweit bekannter, die FDP ist eine stärkere Partei, und sie hat die Unterstützung von SVP und Mitte. Gleichwohl verändert die Kandidatur die Ausgangslage: Statt eines als sicher geglaubten FDP-Sitzes steht nun wieder ein echter Wettbewerb an, was die Debatte über politische Ausrichtung und Prioritäten in der Exekutive anheizen dürfte.
Was das für die Bevölkerung im Kanton bedeutet
- Für Stimmberechtigte bedeutet die Kandidatur mehr Auswahl: Ein klarer Wahlkampf bietet die Möglichkeit, politische Unterschiede zwischen FDP und GLP sichtbar zu machen.
- Wird die GLP erfolgreich, könnte dies die thematische Balance in der Regierung verschieben, etwa in Fragen von Umwelt, Raumplanung und Geschäftsfreundlichkeit.
- Für die FDP steht viel auf dem Spiel: Der Verlust des Sitzes würde die derzeitige parteipolitische Zusammensetzung der Exekutive verändern.
Die offizielle Ersatzwahl ist für den 18. Oktober angesetzt. Parteiintern und in den kommenden Monaten wird es darauf ankommen, welche politischen Schwerpunkte die Kandidierenden setzen und wie sie die Mobilisierung ihrer Wählerschaft umsetzen.
Für die kantonale Politik bleibt die Kandidatur von Dominik Gresch ein Indikator: Die GLP signalisiert damit, dass sie sich stärker in die Exekutive einbringen will. Ob dieser Vorstoss zu einem historischen Durchbruch führt oder vorerst im Wahlkampf stecken bleibt, wird die Stimmabgabe im Oktober zeigen.