Symbolischer Preis zur Feier einer Verfassung
Zum Jubiläum der hessischen Verfassung hat der Landtag eine neue Ehrung ins Leben gerufen: den Verfassungspreis, gestiftet von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU). Die Auszeichnung, die künftig alle fünf Jahre vergeben werden soll, wird in diesem ersten Durchgang an zwei weithin bekannte Persönlichkeiten verliehen: die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim und den Aktionskünstler Gunter Demnig, Schöpfer der sogenannten Stolpersteine.
Wofür die Auszeichnung steht
Der Preis soll das Jubiläum der hessischen Verfassung ehren — sie gilt als die älteste aktuell gültige Landesverfassung in Deutschland — und zugleich Menschen ins Rampenlicht rücken, «die mit ihrem Tun wesentlich dazu beitragen, dass Demokratie auch in Zukunft weiterhin so lebendig bleibt wie in den Anfangsjahren unseres Landes», wie der Landtag mitteilte.
Preisträger und Begründungen
- Mai Thi Nguyen-Kim: Gewürdigt wird ihr Einsatz, wissenschaftliche Erkenntnisse über verschiedene Formate besonders jungen Zielgruppen verständlich zu vermitteln und gleichzeitig vor Desinformation und populistischen Vereinfachungen zu warnen.
- Gunter Demnig: Seine seit Jahrzehnten verlegten Stolpersteine in Gehwegen sind ein dezentrales Erinnerungszeichen an die Opfer des Nationalsozialismus und haben europaweite Bedeutung gewonnen.
„… den Beitrag von Menschen in den Fokus rücken, die mit ihrem Tun wesentlich dazu beitragen, dass Demokratie auch in Zukunft weiterhin so lebendig bleibt wie in den Anfangsjahren unseres Landes“,
so die Landtagspräsidentin zur Intention des Preises.
Form und Anlass der Verleihung
Der Verfassungspreis ist undotiert; verliehen werden neben einer Urkunde auch eine Bronzekulptur des Kasseler Bildhauers Stephan Balkenhol. Die erste Verleihung ist für den 28. Oktober im Kurhaus Wiesbaden geplant — am Vorabend des 80. Jahrestags des Zustands der Verfassung durch die damalige Landesversammlung im Jahr 1946.
| Aspekt | Angaben |
|---|---|
| Häufigkeit | alle fünf Jahre |
| Preisbestandteile | Urkunde und Bronzekulptur (nicht dotiert) |
| Verleihungsort | Kurhaus Wiesbaden |
Breitere Bedeutung und Folgen
Die Entscheidung, mit Nguyen-Kim eine Wissenschaftskommunikatorin und mit Demnig einen Aktionskünstler auszuzeichnen, signalisiert eine doppelte Botschaft: Aufklärung in Zeiten von Desinformation und aktives Gedenken an die NS-Opfer sind zwei Seiten derselben demokratischen Medaille. Nguyen-Kim erreicht über Online- und Fernsehformate vor allem junge Menschen mit fundierten Erklärungen; Demnigs Stolpersteine hingegen verankern Erinnerung im öffentlichen Raum. Laut Landtag sind inzwischen rund 116.000 Stolpersteine in fast 1.900 Kommunen in Europa verlegt worden — ein Hinweis auf die Reichweite dieses dezentralen Mahnmals.
Die Verleihung könnte Debatten anstoßen: Wie verbinden staatliche Institutionen formelle Erinnerungsarbeit mit zivilem Engagement? Welche Rolle spielt Wissenschaftskommunikation für die Verteidigung demokratischer Werte? Indem Hessen den Preis ohne Geldbetrag, aber mit hohem symbolischem Gewicht versieht, betont die Landeshauptstadt die Bedeutung von Gesten und Sichtbarkeit im öffentlichen Diskurs.
Die Wahl der Preisträgerinnen und Preisträger ist zugleich ein Appell: Demokratie braucht Wissen, Erinnerung und Menschen, die beides leben und vermitteln.