Die erste Hitzewelle des Jahres hat in der Schweiz eine messbare Wirkung auf die Sterbezahlen gezeigt: In der Woche vom 22. bis 28. Juni starben bei den über 65-Jährigen insgesamt 175 Personen mehr als statistisch erwartet, was einer Übersterblichkeit von 16 Prozent entspricht. Die vorläufigen Zahlen stammen vom Bundesamt für Statistik (BfS) und wurden vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut kommentiert.
Regionale Unterschiede sind markant
Die Belastung durch die Hitze traf die Schweiz nicht gleichmässig. Am stärksten betroffen war die Grossregion Genfersee (Kantone Genf, Waadt, Wallis) mit einem Plus von 44 Todesfällen beziehungsweise einer Übersterblichkeit von 23 Prozent. Ebenfalls deutlich erhöht war die Sterblichkeit im Espace Mittelland (Bern, Neuenburg, Jura, Solothurn, Freiburg) mit einem Anstieg von 22 Prozent.
- Schweizweit: +175 Todesfälle bei Über-65-Jährigen in der Woche 22.–28. Juni (+16%).
- Grossregion Genfersee: +44 Todesfälle (+23%).
- Espace Mittelland: +22% Übersterblichkeit.
- Zentralschweiz: 123 Todesfälle, Anstieg innerhalb statistischer Toleranz.
- Tessin: 63 Todesfälle, ebenfalls innerhalb der statistischen Toleranz.
In anderen Regionen wie Zürich und der Ostschweiz inklusive Graubünden waren keine signifikanten Übersterblichkeiten zu verzeichnen, wie das BfS betont.
Vorsicht bei Interpretation – Verzögerungseffekte möglich
Die vorgelegten Zahlen sind vorläufig. Das BfS weist auf zwei wichtige Einschränkungen hin: Meldungen an den Bund können verzögert eintreffen, und hitzebedingte Todesfälle können mit Verzögerung auftreten. Dazu sagt Martina Ragettli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut:
"Ein Hitzetag kann noch über die folgenden sieben bis zehn Tage zu Todesfällen führen."
Das bedeutet, die in dieser Woche dokumentierte Übersterblichkeit könnte noch steigen, wenn Nachmeldungen eintreffen oder verspätete hitzebedingte Gesundheitsfolgen auftreten.
Konsequenzen für Schutzmassnahmen
Die Zahlen unterstreichen die Relevanz zielgerichteter Schutzmassnahmen für besonders gefährdete Gruppen, insbesondere für ältere Menschen und Pflegeheime. Dazu gehören:
- Frühwarnsysteme und zielgerichtete Information der Bevölkerung;
- konsequente Hitzeprotokolle in Pflegeeinrichtungen und Spitälern;
- schutzorientierte Infrastruktur (Kühl- und Schattenangebote) in städtischen Gebieten;
- Aufklärung zu Trinkverhalten, Ruhephasen und Erkennung von hitzebedingten Symptomen.
Welche langfristigen Auswirkungen die Hitzewellen dieses Sommers auf die jährliche Mortalität haben werden, lässt sich derzeit noch nicht abschliessend sagen. Das endgültige Ausmass der Hitzetoten 2026 wird erst nach Abschluss des Monitorings und der konsolidierten Statistik sichtbar werden.
| Gegenstand | Wert |
|---|---|
| Zeitraum | 22.–28. Juni |
| Zusätzliche Todesfälle (≥65) | 175 |
| Schweizer Übersterblichkeit (≥65) | +16% |
| Genfersee (z.B. Genf/Waadt/Wallis) | +44 Todesfälle / +23% |
Die Behörden und Gesundheitsinstitutionen beobachten die Lage weiterhin. Für die Bevölkerung gilt: Hitze ernst nehmen, vulnerable Menschen aktiv unterstützen und bei Anzeichen von Kreislaufproblemen oder Erschöpfung sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.