Historisches Ensemble wird zum Erlebnisort
Der Hof zu Wil soll künftig nicht nur ein denkmalpflegerisches Bauprojekt sein, sondern ein aktives Vermittlungs- und Bildungsangebot: Unter dem Titel «Hofwelten» entwickeln das Stiftsarchiv St.Gallen und die Stiftung Hof zu Wil ein Konzept, das die Geschichte des Hauses und seine Verbindungen zur Fürstabtei St.Gallen erlebbar macht. Die Massnahme ist Teil der dritten Bauetappe des laufenden Renovations- und Innovationsprojekts.
Das «sprechende Haus» als zentrales Element
Im Zentrum steht ein mediengestützter Vermittlungsansatz: Ein Mediaguide wird Besucherinnen und Besucher durch das Gebäude führen, verschwundene architektonische Elemente sichtbar machen und frühere Gesprächssituationen rekonstruieren. Das Projekt nutzt dabei digitale und analoge Formate, um Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schlagen.
„sprechendes Haus“
Für die szenografische Umsetzung zeichnet das Basler Studio ZMIK verantwortlich. Das Büro von Rolf Indermühle und Mattias Mohr gewann in einem Wettbewerb gegen namhafte Mitbewerber aus der Schweiz; die Jury umfasste unter anderem Vertreterinnen und Vertreter des Schweizerischen Nationalmuseums, des Textilmuseums und weiterer Institutionen.
Formate, Zielgruppen und Inhalte
Die «Hofwelten» richten sich gezielt an ein breites Publikum, mit besonderem Fokus auf Schulklassen und Gruppen. Geplant sind zahlreiche interaktive Stationen und partizipative Formate, die historische Themen mit heutigen gesellschaftlichen Fragen verbinden. Beispiele aus der Projektbeschreibung:
- Tavolata im dritten Obergeschoss: Austausch und Diskussionen über Fragen des guten Zusammenlebens.
- Dachstock-Themen: Produktion, Handel und der Einfluss des Klimas auf historische Abläufe.
- Mediaguide: Führt durch Räume, macht verschwundene Elemente sichtbar und verbindet Erzählstränge.
Lokale Folgen für Wil
Das Vorhaben hat mehrere konkrete Auswirkungen für die Stadt Wil: Erstens erweitert es das kulturelle Angebot und kann Besucherinnen und Besucher in die Altstadt ziehen, was auch den lokalen Gewerben zugutekommen dürfte. Zweitens stärkt es die Bildungsinfrastruktur durch gezielte Programme für Schulklassen. Drittens bewahrt und vermittelt es das historische Erbe des Hofs, der seit dem Spätmittelalter eines der wichtigsten weltlichen Zentren der Fürstabtei war.
| Element | Funktion |
|---|---|
| Mediaguide | Leitet durch das Gebäude, macht Vergangenheit hör- und sichtbar |
| Tavolata | Diskussionsformat zu gesellschaftlichen Fragen |
| Dachstock-Stationen | Themen zu Produktion, Handel und Klima |
Die Einbindung fachlicher Partner – Stiftsarchiv und Stiftung – sowie die Wahl eines mehrfach geprüftem szenografischen Konzepts zeigen, dass das Projekt nicht nur städtebaulich, sondern auch inhaltlich durchdacht angelegt ist. Für die Bevölkerung von Wil bedeutet dies ein neues Angebot, das Geschichte nicht als abgeschlossenes Archivgut behandelt, sondern als Grundlage für gegenwärtige Auseinandersetzungen und Vermittlung.
Über den offiziellen Eröffnungstermin, Kosten und konkrete Zeitpläne für die Umsetzung der dritten Bauetappe gibt es in der derzeit vorliegenden Mitteilung noch keine Angaben; diese dürften in den kommenden Monaten präzisiert werden.