Stadtpolizei plant Probe mit Kamerafahrzeug
Die Stadtpolizei St.Gallen will noch in diesem Jahr einen Pilotversuch mit einem sogenannten Scan-Car durchführen. Das Fahrzeug soll Parksünder automatisch erfassen; in der ersten Phase werden jedoch nur Daten erhoben, es werden keine Bussen ausgestellt. Das bestätigte ein Sprecher der Stadtpolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Das geplante System besteht aus einem in ein normales Fahrzeug integrierbaren Set aus Kameras und Sensoren. Gesteuert werde das Auto von Mitarbeitenden der Stadtpolizei. Die Runden sind stadtweit vorgesehen, insbesondere für Kontrollen im Zusammenhang mit dem Nachtparkieren, erklärte der Sprecher.
Was der Versuch leisten soll und welche Fragen offen bleiben
Der erste Einsatz dient laut Polizei zu Testzwecken: Es soll geprüft werden, ob und wie Parkraumüberwachung automatisiert funktionieren kann. Kosten für die Anschaffung oder den Betrieb des Scan-Cars könnten derzeit noch nicht beziffert werden. Ebenfalls offen ist, ab welchem Zeitpunkt und unter welchen rechtlichen Voraussetzungen erfasste Verstösse zu Bussen führen würden.
- Erste Phase: reine Datensammlung, keine Bussen
- Einsatzgebiet: ganze Stadt, Schwerpunkt Nachtparkieren
- Technik: Kameras und Sensoren, in beliebigem Fahrzeug installierbar
Der Einsatz solcher Fahrzeuge ist nicht neu: In der Nachbarstadt Waldshut-Tiengen (D) wurden Scan-Cars bereits in einer dreimonatigen Testphase eingesetzt. Dort registrierten die Fahrzeuge rund 3000 mögliche Verstösse, woraus etwa 2000 Bussen resultierten, wie die Mobilitätsplattform Streetlife berichtete. Auch dort trafen die Kontrollen viele ausländische Einkaufstouristinnen und -touristen.
| Ort | Versuchszeitraum | Erfasste Verstösse | Ausgestellte Bussen |
|---|---|---|---|
| Waldshut-Tiengen (D) | dreimonatige Phase | ~3000 | ~2000 |
„Insbesondere für Kontrollen im Zusammenhang mit dem Nachtparkieren“, so der Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen.
Vergleich mit anderen Städten und technische Limitationen
Andere Schweizer Städte stehen dem System unterschiedlich gegenüber. In Zürich und Winterthur wurde ein Einsatz vorerst verworfen. Die Kantonspolizei und die Stadtpolizeien der beiden Städte begründeten dies mit technischen und praktischen Einschränkungen: Scan-Cars funktionieren vor allem dort zuverlässig, wo Fahrzeuge frontal parkiert sind und die Kameras vorn oder hinten vorbeirollen können. In Städten mit vielen parallel zur Strasse verlaufenden Parkplätzen ist die Lesbarkeit von Schildern und Kennzeichen für heutige Systeme eingeschränkt.
Für Bewohnende und Verkehrsteilnehmende in St.Gallen bedeutet der Testlauf Folgendes:
- Während der Testphase sind keine Bussen zu erwarten; es werden jedoch Fahrzeugdaten erfasst.
- Langfristig könnte die Überwachung in Bereichen mit hohem Parkdruck, namentlich nachts, ausgeweitet werden.
- Offene Punkte bleiben Kosten, rechtliche Rahmenbedingungen für die automatisierte Bussstellung und die technische Genauigkeit unter verschiedenen Parkbedingungen.
Die Stadtpolizei betont, dass das System von Mitarbeitenden gesteuert werde und zunächst der Evaluation diene. Weitere Informationen zur Auswertung des Versuchs und zu einer möglichen Folgeregelung stehen noch aus.