Branche startet Analysekommission — Ziel: Produktion drosseln und Lager abbauen
Die Schweizer Milchwirtschaft steht erneut vor einem deutlichen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat eine neue Kommission «Marktanalyse Milchbranche und Massnahmen» eingesetzt, nachdem die Milchmengen in den ersten vier Monaten des Jahres um rund 5 Prozent höher lagen als im Vorjahr und die Verarbeitungskapazitäten an ihre Grenzen stossen.
Die anhaltend hohen Fett- und Eiweissgehalte in der Milch haben zu vollen Butterlagern geführt: Aktuell lagern mehr als 7000 Tonnen Butter in der Schweiz. Gleichzeitig wurden bis Ende September 2026 bereits über 5000 Tonnen Butteräquivalent in Form von Butter und Rahm exportiert. Zur Abfederung werden zudem Stützungsmittel genutzt: Aus dem Fonds Regulierung sind bisher insgesamt 24 Millionen Franken vorgesehen worden.
Die BOM betont, dass die jüngste Dürre die Einlieferungen zwar temporär leicht reduziert habe, dies aber keine dauerhafte Entspannung bewirke. Ohne gezielte Massnahmen sei ab Herbst ein erneutes Marktungleichgewicht zu erwarten. "
„Daher sind Massnahmen unabdingbar“", heisst es in der Mitteilung der Branchenorganisation.
Die Kommission soll zunächst die Lage kurz- und langfristig beurteilen und anschliessend konkrete Instrumente vorschlagen. Im Fokus stehen unter anderem:
- Effizientere Nutzung vorhandener Verarbeitungskapazitäten
- Strategien gegen importgetriebenen Preisdruck
- Möglichkeiten zur Steuerung der Einliefermengen
Die Branche sieht sich zudem mit steigenden Importen günstiger Milchprodukte konfrontiert, die den Druck auf die Inlandpreise erhöhen. Massnahmen gegen diesen Importdruck sollen Teil der anschliessenden Diskussionen sein.
Für Produzentinnen und Produzenten hat das aktuelle Überangebot direkte finanzielle Folgen: Schon im vergangenen Herbst und Winter führten höhere Einlieferungen dazu, dass erstmals wieder sogenannte C‑Milch gehandelt wurde — ein Marktsegment mit tieferen Preisen und entsprechend schlechteren Erträgen für die Landwirtschaft. Vor diesem Hintergrund dürfte die Kommission auch Optionen prüfen, die kurzfristig negative Preisspitzen abfedern und langfristig eine bessere Balance zwischen Produktion und Absatz herstellen.
| Position | Angabe |
|---|---|
| Butterlager | über 7000 t |
| Entlastungsexporte (Butter & Rahm) | über 5000 t |
| Ausgeführte Mengen (Herbst 2025–Sept 2026) | 2000 t Rahm, 4855 t Butter |
| Stützungsmittel | 24 Millionen Franken |
Aus Sicht der Verarbeitung ist eine flexiblere Auslastung der Anlagen zentral, um Überschüsse zu verarbeiten statt sie in Lagern zu parken. Für Konsumentinnen und Konsumenten könnten anhaltende Überkapazitäten mittelfristig preisdämpfend wirken; für viele Betriebe aber besteht das Risiko sinkender Erträge, falls sich die Einliefermengen nicht steuern lassen.
In den kommenden Wochen wird die neu eingesetzte Kommission Daten aus Produktion, Lager und Handel auswerten und mögliche Interventionen abwägen. Entscheide darüber, ob etwa direkte Produktionsanreize, Mengenbegrenzungen oder verstärkte Exportinitiativen zum Zuge kommen, dürften für die wirtschaftliche Lage vieler Milchbetriebe richtungsweisend sein.