Erneut konzentrieren sich Teile der Finanzbranche auf einen schwachen Punkt des Kreditmarkts: Hedgefonds-Manager, die bereits während der Finanzkrise 2008 hohe Gewinne erzielten, platzieren nun Wetten gegen den milliardenschweren Markt für Schattenkredite in den USA. Die Entwicklung weckt Erinnerungen an das Platzen des US-Hypothekenmarkts vor beinahe zwei Jahrzehnten und stellt Investoren und Regulatoren vor neue Fragen.
Vom Subprime-Desaster zu «Private Credit»
In der Finanzkrise von 2008 hatten einige Investoren mit gezielten Short-Positionen gegen schlechte Hypothekenverbriefungen enorme Profite realisiert. Ein prominentes Beispiel: Ein Manager steckte nach einem Bericht ursprünglich 20 Millionen Dollar in entsprechende Wetten und verwandelte diese binnen kurzer Zeit in rund 200 Millionen Dollar. Heute richten diese Marktteilnehmer ihren Blick auf sogenannte Private Credit Funds, alternative Finanzvehikel, die ausserhalb des regulären Bankensektors Darlehen vergeben.
„ähnliche "Dummheiten" passiert wie 2008 am Häusermarkt.“
Schätzungen zufolge beläuft sich das Volumen solcher Schattenkredite auf bis zu zwei Billionen Dollar. Die Fonds haben in den letzten Jahren stark in risikoreichere Kreditnehmer investiert: hochverschuldete Technologie- und Gesundheitsfirmen, Private-Equity-Transaktionen und Unternehmen, die Infrastruktur für die Künstliche-Intelligenz-Expansion finanzieren.
Was bedeutet das für Anleger und die Schweiz?
- Erhöhte Systemrisiken: Konzentrationen ausserhalb regulierter Kanäle können Stress auf das breitere Finanzsystem übertragen, falls Kreditausfälle steigen.
- Direkte Ansteckung: Schweizer Pensionskassen, Versicherer und Vermögensverwalter halten indirekt oder direkt Engagements in privaten Kreditstrategien; Verluste würden die Anlegerbilanz belasten.
- Regulatorische Fragen: Anders als Banken unterliegen private Kreditgeber oft weniger Aufsicht, was die Transparenz und Krisenanfälligkeit erhöht.
Die gegenwärtige Situation unterscheidet sich zwar von 2008: Die Kreditverbriefungen jener Zeit waren vor allem auf Verbraucherkredite ausgerichtet. Aktuelle Private-Credit-Positionen sind vielfältiger, umfassen aber ebenfalls komplexe Kreditstrukturen und teilweise Konzentrationsrisiken.
Folgen und Handlungsbedarf
Für Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden ergeben sich mehrere Handlungsfelder. Zunächst ist bessere Transparenz über die tatsächlichen Kreditexponierungen und die Risikostruktur dieser Fonds notwendig. Finanzintermediäre sollten Fondsengagements in Stressszenarien testen und die Verwundbarkeit der eigenen Bilanzen prüfen. Zudem stellen sich politische Fragen nach Relevanz und Umfang zusätzlicher Regulierung, um Systemrisiken zu begrenzen.
Investoren wiederum müssen ihre Portfolios auf Liquiditäts- und Bewertungsrisiken durchleuchten. Strategien, die in Erwartung eines Marktumschwungs auf fallende Kurse setzen, können zwar hohe Erträge liefern, verschärfen jedoch im Krisenfall Marktvolatilität und führen zu Gegenbewegungen, die breite Marktsegmente treffen.
Die Beobachtung gilt nicht nur für die USA: Die Dynamik privater Kreditmärkte und ihre Bedeutung für institutionelle Anleger machen dieses Thema auch für die Schweizer Finanzlandschaft relevant. Entscheidend bleibt, ob Regulierer und Investoren die aktuellen Warnsignale ernst nehmen und präventive Massnahmen ergreifen, bevor lokale Schocks zu globalen Verwerfungen führen.
| Jahr / Kennzahl | Betrag / Bedeutung |
|---|---|
| 2008 (Beispiel) | 20 Mio. zu 200 Mio. Dollar als Rendite früher Shorts |
| 2026 (Schätzung) | bis zu 2 Billionen Dollar Gesamtvolumen Private Credit |