Studie rechnet mit deutlichen wirtschaftlichen Effekten, warnt aber vor Abhängigkeit vom Staat
Eine Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts Bak Economics im Auftrag von Economiesuisse kommt zum Schluss, dass ein neues Kernkraftwerk für die Schweiz erhebliche ökonomische Effekte bringen könnte. Für das angenommene Kraftwerk des Typs EPR, das im Szenario im Jahr 2050 ans Netz gehen würde, nennt die Studie unter anderem folgende Größenordnungen: ein jährlicher gesamtwirtschaftlicher Nutzen von rund 1,6 Milliarden Franken sowie etwa 3'000 Arbeitsplätze.
Während der Bauphase würden demnach zusätzlich rund 7,4 Milliarden Franken Wertschöpfung in der Schweiz entstehen. Nach Inbetriebnahme werden jährliche zusätzliche Wertschöpfungen von rund 1,2 Milliarden Franken genannt; Haushalte und Unternehmen könnten zudem jährlich rund 240 Millionen Franken durch tiefere Strompreise einsparen. Für Bund, Kantone und Gemeinden rechnet die Studie mit etwa 95 Millionen Franken zusätzlichen Steuereinnahmen pro Jahr.
Wirtschaftlicher Nutzen kontra Realisierbarkeit
Die Autoren weisen allerdings klar darauf hin, dass ein derartiges Projekt unter den heutigen Marktbedingungen nicht ohne staatliche Unterstützung realistisch ist. Andere Forschungsinstitute wie die ETH Zürich und das Paul-Scherrer-Institut (PSI) kommen in eigenen Analysen ebenfalls zum Schluss, dass Neubauten nur mit Übernahme von Teilen der Kosten- und Verzögerungsrisiken durch die öffentliche Hand wettbewerbsfähig würden.
- Projektannahme: EPR-Kernkraftwerk, Inbetriebnahme 2050
- Wirtschaftlicher Nutzen laut Studie: rund 1,6 Mrd. CHF/Jahr
- Bauphase: 7,4 Mrd. CHF Wertschöpfung
- Erforderliche Bedingung: staatliche Fördermassnahmen oder Risikoübernahme
Die Studie erinnert daran, dass grosse Energieprojekte in Europa häufig mit hohen Kostenüberschreitungen und Zeitverzögerungen verbunden sind. Entsprechend warnen die Analysten: Ohne staatliche Hilfe sei ein Neubau unter heutigen Voraussetzungen nicht wirtschaftlich.
| Grösse | Angabe (jährlich/nach Studie) |
|---|---|
| Direkter jährlicher Nutzen | 1,6 Mrd. CHF |
| Jährliche Wertschöpfung nach Inbetriebnahme | 1,2 Mrd. CHF |
| Einsparungen für Haushalte/Unternehmen | 240 Mio. CHF |
| Steuereinnahmen Bund/Kantone/Gemeinden | 95 Mio. CHF |
| Wertschöpfung während Bau | 7,4 Mrd. CHF |
Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft
Für Unternehmen und Haushalte bedeutet ein stabileres Stromangebot und mögliche Preisreduktionen eine direkte ökonomische Entlastung. Für die Bau- und Zulieferindustrie könnten während vieler Jahre Aufträge und Beschäftigung in grossem Umfang anfallen. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark der Staat finanziell einspringen müsste und welche fiskalischen oder regulatorischen Vorkehrungen nötig wären, um die Risiken zu begrenzen.
Politisch ist die Studie brisant: Vor fast einem Jahrzehnt lehnte die Schweizer Stimmbevölkerung den Neubau durch die Annahme des revidierten Energiegesetzes 2017 ab. Gemäss der veröffentlichten Analyse dürfte das Thema vor der erwarteten Abstimmung im Februar 2027 erneut intensiv geführt werden — mit ökonomischen Argumenten auf der einen und Fragen zur Staatsgarantie und Risikoübernahme auf der anderen Seite.