Rhein-Niedrigwasser trifft Stahlproduktion und Logistik
Das anhaltende Niedrigwasser im Rhein hat unmittelbare Folgen für die deutsche Industrie: Der Stahlkonzern Thyssenkrupp Steel teilte mit, die Hochofenproduktion vorsorglich etwas gedrosselt zu haben, weil die Rohstoffversorgung durch die eingeschränkte Schifffahrt beeinträchtigt ist. Die eigene Schubschifffahrt des Unternehmens wurde laut Mitteilung eingestellt; stattdessen werden externe, angemietete Schiffe mit geringerem Tiefgang eingesetzt.
Die Massnahme steht exemplarisch für ein logistisches Problem, das sich in höheren Transportkosten und veränderten Routings niederschlagen kann. Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research warnt, dass solche transportbedingten Verzögerungen für die Industrie ein unerwünschter Gegenwind sein könnten, gerade in einer Phase, in der sich die Auftragssituation und Produktion zuletzt verbessert hatten.
„Unsere Hochofenproduktion haben wir aufgrund der leicht eingeschränkten Rohstoffversorgung vorsorglich etwas gedrosselt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.
Auswirkungen für Wirtschaft und Verbraucher
- Produktion: Drosselungen können die Stahlverfügbarkeit und damit Vorprodukte für Maschinenbau, Automobil- und Bauindustrie beeinträchtigen.
- Logistikkosten: Externe Schiffe und längere Transportwege treiben die Kosten, was auf Verkaufspreise und Margen durchschlagen kann.
- Versorgungssicherheit: Theoretisch drohen Engpässe, etwa bei Treibstoffen oder Zwischenprodukten, falls Transportwege längerfristig eingeschränkt bleiben.
Der Rhein zählt zu den weltweit meistbefahrenen Binnenwasserstrassen. An der wichtigen Engstelle Kaub nahe Koblenz prognostizierte die Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes einen Pegel von 41 Zentimetern am Nachmittag; das bisherige Rekordtief aus Oktober 2018 lag bei 25 Zentimetern. Vor diesem Hintergrund gilt die Nutzung von Schiffen mit geringerem Tiefgang als kurzfristige Anpassungsmassnahme, die jedoch weniger Ladung erlaubt und damit zu häufigerem Einsatz sowie höheren Kosten führt.
| Messpunkt | Prognose / Rekord |
|---|---|
| Kaub (Pegel) | 41 cm (Prognose), Rekordtief 25 cm |
Wie widerstandsfähig sind Lieferketten?
Schattenberg weist darauf hin, dass viele Unternehmen aus früheren Krisen gelernt und in resilientere Lieferketten investiert haben. Dennoch zeigen die aktuellen Ereignisse: Physische Infrastruktur wie Binnenwasserstrassen bleibt eine Schwachstelle. Langfristige Lösungen reichen von Vorratshaltung über Diversifizierung der Transportmodi bis hin zu Anpassungen der Investments in regionale Produktionsstandorte.
Für die Bevölkerung können solche Störungen indirekt spürbar werden, wenn erhöhte Transportkosten zu höheren Preisen bei Endprodukten führen oder wenn Engpässe die Verfügbarkeit bestimmter Waren einschränken. Kurzfristig bleibt die Kundenversorgung von Thyssenkrupp nach Unternehmensangaben noch nicht gefährdet; mittelfristig jedoch hängt vieles vom weiteren Verlauf der Pegelstände und der Verfügbarkeit alternativer Verkehrswege ab.
Die Situation am Rhein erinnert daran, wie stark die deutsche Industrie von funktionierenden Binnenwasserstrassen abhängt und wie klimatisch bedingte Extremereignisse in Zukunft häufiger als betriebliche Herausforderung auftreten dürften.