Vor dem Landgericht Wuppertal hat der Prozess gegen drei Männer begonnen, denen die Staatsanwaltschaft den Handel mit einem ausserordentlich umfangreichen illegalen Waffenbestand vorwirft. Im Zentrum der Anklage steht ein 60-jähriger Hauptverdächtiger; zwei weitere Beschuldigte sind 38 und 35 Jahre alt. Die Ermittlungen führten im Herbst 2025 zu einem Fund, der bundesweit für Aufsehen sorgte.
Der Fund: Umfang und Besonderheiten
Bei Durchsuchungen in einem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt stiessen Ermittler zunächst auf eine Sammlung von historischen Militaria und legalen Dekowaffen – angeschaut wie ein privates Museum. Hinter getarnten Türen und durch Zwischenwände abgeschirmten Nebenräumen jedoch gelangten sie an die illegalen Bestände.
„Dahinter waren dann die illegalen Sachen“, sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert.
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um einen der grössten Kriegswaffenfunde in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten. Die Bestandsaufnahme ergab:
- Rund 300 scharfe Schusswaffen
- Fast 100.000 Schuss Munition
- Darunter zahlreiche schwerwiegende Exemplare wie Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen
Die Staatsanwaltschaft listet im Detail die gefundenen Waffentypen und ihre Stückzahlen auf; der Vorwurf lautet, dass der Hauptangeklagte umfangreichen Handel mit Kriegswaffen betrieben haben soll.
Anklage und Tatvorwurf
Gegen den 60-Jährigen sowie die beiden Jüngeren werden Verstösse gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz geltend gemacht. Nach Auffassung der Ermittler hatte der Hauptangeklagte zahlreiche Kriegs- und Schusswaffen sowie Munition gelagert, um sie zu veräussern. Die Anklage führt an, dass der 60-Jährige dem 38-jährigen Mitangeklagten mehrere Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft habe; dieser wiederum habe gemeinsam mit dem 35-Jährigen Waffen weiterverkauft.
Wie die Ermittlungen begannen
Den Angaben zufolge kam der Fall ins Rollen, als verdeckt ermittelnde Polizisten Waffen zum Kauf angeboten wurden. Die nachfolgenden, mehrtägigen Durchsuchungen begannen am 26. Oktober 2025. Die Ermittler stiessen dabei nicht sofort auf das ganze Ausmass: Die illegalen Bereiche waren bewusst getarnt und hochwertig abgeschirmt.
| Beleg | Angabe |
|---|---|
| Beschlagnahmte Schusswaffen | ~300 |
| Munition | ~100.000 Schuss |
| Konkrete Waffentypen (Beispiele) | 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, 11 Revolver, 13 Panzerabwehrwaffen |
Die Staatsanwaltschaft bezeichnet den Fund als einen der grössten dieser Art in Deutschland in den letzten Jahrzehnten. Der Prozess wird klären müssen, in welchem Umfang ein organisierter Handel stattfand und welche Verantwortung die Beschuldigten tragen.
Folgen und offene Fragen
Grösserer illegaler Waffenbesitz hat weitreichende Bedeutung: Er betrifft die Strafverfolgung, die Nachverfolgung möglicher Vertriebswege und die Prävention von Gewaltdelikten. Ausserdem werfen solche Fälle Fragen zur Lagerungssicherheit und zu Kontrollen bei Sammlern und Museen auf. Im laufenden Verfahren werden Sachverständige, ZeugInnen und die Auswertung der sichergestellten Materialien sowie Zeitzusammenhänge eine wichtige Rolle spielen.
Obwohl ein Teil der Sammlung zunächst den Anschein einer legalen Privatsammlung erweckte, zeigt der Fall exemplarisch, wie sich legales Sammeln und illegaler Handel über versteckte Räume überlagern können. Das Gericht in Wuppertal wird die Vorwürfe prüfen; die Beweisaufnahme dürfte umfangreich werden.