Am 24. Juli tritt in den Vereinigten Staaten ein neues Zollregime an die Stelle der Übergangstarife, die das Weisse Haus nach einer Niederlage vor dem Supreme Court eingeführt hatte. Für die Schweiz bedeutet das zunächst keine grundlegende Änderung: Die US-Administration plant, die eingeführten Abgaben durch eine dauerhafte Rechtsgrundlage zu ersetzen, nicht aber die grundsätzliche Zollmauer abzubauen.
"Der Handelsstreit mit Amerika gleicht multipler Sklerose."
Worum es jetzt konkret geht
Der amerikanische Handelsbeauftragte Jamieson Greer hat Mitte März zwei Untersuchungen nach Section 301 des Handelsgesetzes von 1974 lanciert. Sie prüfen, ob Handelspartner amerikanische Firmen benachteiligen, indem sie nicht ausreichend gegen Importe aus Zwangsarbeit vorgehen oder strukturelle Überkapazitäten in bestimmten Branchen dulden. Beide Verfahren betreffen die Schweiz.
Die bisherigen Übergangszölle lagen bei 10 Prozent und liefen per 24. Juli aus. Das Weisse Haus will sie nun auf eine dauerhafte rechtliche Basis stellen. Das bedeutet: Kurzfristig bleibt die Belastung für Importeure vergleichbar, langfristig können aber neue, gezielte Massnahmen folgen, wenn die Untersuchungen bestimmte Praktiken nachweisen.
Auswirkungen für Wirtschaft und Bevölkerung
- Exportorientierte Schweizer Unternehmen müssen mit anhaltender Unsicherheit bei Marktzugang und Wettbewerbsbedingungen in den USA rechnen.
- Importeure und Händler könnten durch anhaltende oder spezialisierte Abgaben höhere Kosten tragen, die teilweise an Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden.
- Die Schweizer Exportförderung und Handelsdiplomatie steht vor der Herausforderung, bilateral Schutz gegen unfaire Zölle zu verhandeln.
Die laufenden Untersuchungen eröffnen den USA zudem Instrumente, die gezielt Industrien ins Visier nehmen können. Für die Schweiz sind Branchen mit engen Wertschöpfungsbeziehungen in den USA besonders gefährdet. Das betrifft Zulieferer und Unternehmen, die stark auf US-Lieferketten angewiesen sind.
Wichtige Stichtage
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2. April 2025 | "Liberation Day" — Wendepunkt im Handelsstreit |
| 31. Juli 2025 | Trumps Schweizer Strafzölle |
| 20. Februar 2026 | Niederlage Trumps vor dem Obersten Gerichtshof |
| 24. Juli 2026 | Auslaufen der 10%-Übergangszölle / Umstellung des Zollregimes |
Für die nationale Wirtschaftspolitik bedeutet das: Die Schweiz muss einerseits ihre Exportbranchen beraten und absichern, andererseits in internationalen Foren Glaubwürdigkeit in Fragen von Arbeitsstandards und Überkapazitäten zeigen. Kurzfristig bleibt die Situation ähnlich wie zuvor; mittelfristig aber können gezielte Massnahmen in einzelnen Sektoren zu spürbaren Handelshemmnissen führen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein: Werden die Untersuchungen konkrete Verstösse oder systemische Probleme feststellen, könnten die USA neue, dauerhafte Einfuhrabgaben verhängen, die speziell bestimmte Herkunftsländer und Produkte treffen. Für Firmen und Behörden heisst das, Szenarien vorzubereiten, Lieferketten zu prüfen und diplomatische Kanäle zu nutzen, um negative Folgen abzufedern.
Autor: Philipp Baumgartner, Wirtschaftsredaktor, News10