Die Entwicklung der Werkstoffindustrie gilt in Vietnam als Schlüssel zur Stärkung der nationalen Wirtschaft. Als Lieferant von Vorprodukten für Sektoren wie Bauwesen, Transport, Energie, Maschinenbau, Elektronik, Textilien, Schuhe, Halbleiter, Gesundheitswesen und Hightech-Industrien bildet sie ein zentrales Rückgrat für Produktion und Versorgungssicherheit.
Strategische Vorgaben auf höchster Ebene
Die Führung des Landes hat die Förderung dieser Industrie explizit in nationale Entwicklungspläne aufgenommen. Der Beschluss Nr. 29-NQ/TW vom 17. November 2022, gefasst auf dem 6. Plenum des 13. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Vietnams, verlangt einen konkreten Fahrplan für Industrialisierung und Modernisierung bis 2030 mit Blick auf 2045. Eine zentrale Forderung ist die Priorisierung von Ressourcen und die Schaffung geeigneter Mechanismen, um Wachstumszentren, Basis- und Schlüsselindustrien sowie Zulieferindustrien gezielt zu entwickeln.
Ergänzend betont die Resolution Nr. 57-NQ/TW des Politbüros vom 22. Dezember 2024 die Notwendigkeit von Durchbrüchen in Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitaler Transformation. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Ausbau der Energieinfrastruktur, insbesondere im Bereich neuer und sauberer Energien, um die Energieversorgung für strategische Industrien sicherzustellen.
Warum das relevant ist
Die Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie haben die Verletzlichkeit globaler Lieferketten offenbart. Vietnam, tief eingebunden in diese Ketten, reagiert darauf mit einer starken Steuerung seiner Zuliefersektoren. Ziel ist, die Abhängigkeit von ausländischen Vorprodukten zu reduzieren und zugleich die eigene industrielle Basis so zu stärken, dass sie gegenüber externen Schocks robuster wird.
- Fokus auf hohe Wertschöpfung in Schlüsselbranchen
- Priorisierung von Ressourcen und gezielte Förderung strategischer Industrien
- Ausbau der Energieinfrastruktur zur Sicherung industrieller Entwicklung
Konkrete Elemente und Folgen
Die staatlichen Beschlüsse fordern nicht nur die Definition von Prioritäten, sondern auch die Implementierung „bahnbrechender und geeigneter Mechanismen“. Das umfasst sowohl finanzpolitische als auch regulatorische Maßnahmen, um Investitionen in Basis- und Zulieferindustrien zu lenken. Zudem ist die strikte Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der Bodenschätze explizit als Teil der Strategie genannt, was Auswirkungen auf Rohstoffpolitik und Umweltmanagement haben kann.
| Beschluss / Resolution | Datum | Ziel |
|---|---|---|
| 29-NQ/TW | 17.11.2022 | Fahrplan für Industrialisierung und Modernisierung bis 2030 (Vision 2045) |
| 57-NQ/TW | 22.12.2024 | Durchbrüche in Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation |
Für Bevölkerung und Unternehmen bedeutet das: Mehr staatlich gesteuerte Orientierung auf die Entwicklung inländischer Zulieferketten, eventuell neue Förderprogramme, strengere Rohstoffplanung und ein beschleunigter Ausbau sauberer Energieinfrastruktur. Das kann mittelfristig Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie schaffen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Störungen erhöhen. Gleichzeitig werden Unternehmen in die Pflicht genommen, in Technologie, Forschung und digitale Lösungen zu investieren, um den angestrebten Qualitätssprung zu erreichen.
Die Aufgabe bleibt herausfordernd: Vietnam muss internationale Vernetzung und Exportorientierung bewahren, gleichzeitig aber seine industrielle Basis so vertiefen, dass sie selbst tragfähig wird. Die nun benannten Prioritäten zeigen, dass die Regierung diesen Spagat als zentrale politische Aufgabe versteht.