Messkampagne auf Kantonsstrassen: Ziel ist bessere Grundlage für Lärmschutz
Auf zwei ausserörtlichen Strecken im Kanton Aargau haben Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und des Touring Club Schweiz (TCS) im Juni systematische Lärmaufnahmen mit Elektrofahrzeugen durchgeführt. Die Messungen sind Teil des nationalen Forschungsprojekts Nexus und werden vom TCS sowie vom Bundesamt für Umwelt finanziell unterstützt.
Getestet wurde auf der Luzernstrasse in Merenschwand und auf einer Landstrasse in Niederwil. Beide Messabschnitte sind ausserorts, gerade und 500 Meter lang. Um die akustischen Unterschiede zwischen Antriebsarten zu erfassen, fuhren Elektro- und Verbrennungsfahrzeuge sowohl im normalen Fahrbetrieb als auch mit gezielten Beschleunigungs- und Bremsmanövern über die Strecken. Entlang der Fahrbahn waren insgesamt 16 Messmikrofone installiert; auf den Dächern der Testwagen registrierten GPS-Geräte Lage und Geschwindigkeit zentimetergenau.
„Mit den Tests sollen wissenschaftliche Grundlagen zur Reduktion von Strassenlärm in der Schweiz geschaffen werden“, heisst es beim Kanton Aargau.
Erste Erkenntnisse: E-Autos ruhiger beim Beschleunigen, kaum Unterschied bei konstanter Fahrt
Vorangehende Messreihen des TCS aus Mai 2024 verglichen neun Elektro- mit neun Verbrennerfahrzeugen. Dabei ergab sich, dass Elektroautos beim Beschleunigen im Mittel rund 3 Dezibel leiser waren als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Demgegenüber zeigte sich:
«Bei Konstantfahrt zeigen sich im Geschwindigkeitsbereich 30 bis 60 km/h keine Lärmunterschiede»
Diese Differenzierung ist zentral für Lärmschutzmassnahmen: Während bei Start-Stopp-Szenarien und starker Beschleunigung der Vorteil von Elektrofahrzeugen akustisch spürbar ist, bleibt bei normaler, konstanter Fahrt auf üblichen ausserörtlichen Geschwindigkeiten das Geräuschniveau vergleichbar.
Was das für Gemeinden und Anwohnende bedeutet
- Die Resultate stützen die Auffassung, dass E-Mobilität allein nicht automatisch alle Lärmprobleme löst; bei konstanter Fahrt bleibt der Reifen- und Fahrbahngeräuschanteil entscheidend.
- Kommunen sollten bei der Lärmplanung weiterhin Strassenbelag, Fahrgeschwindigkeit und Verkehrsführung berücksichtigen – nicht nur die Antriebsart der Fahrzeuge.
- Für Quartiere entlang stark befahrener Strecken könnte der Fokus auf Massnahmen wie lärmarme Beläge oder Geschwindigkeitsbegrenzungen liegen, da diese auch bei konstanter Fahrt wirken.
Messaufbau und weitere Schritte
Der detaillierte Versuchsaufbau mit 16 Mikrofonen, präziser GPS-Messung und klar definierten Fahrmanövern erlaubt es den Forschenden, einzelne Schallquellen getrennt zu analysieren (Motor-, Reifen- und Fahrbahnschall). Neben dem Einfluss der Antriebsart sollen in weiteren Messreihen auch unterschiedliche Reifentypen und Strassenbeläge untersucht werden. Ziel ist laut Kanton, evidenzbasierte Empfehlungen für die Reduktion von Strassenlärm in der Schweiz zu entwickeln.
| Parameter | Details |
|---|---|
| Messorte | Merenschwand (Luzernstrasse), Niederwil (Landstrasse) |
| Messlänge | jeweils 500 m, ausserorts, gerade Strecke |
| Messinstrumente | 16 Mikrofone entlang der Strasse; GPS auf Fahrzeugdächern |
| Finanzierung | TCS, Bundesamt für Umwelt |
Die Resultate der Messkampagne werden in das übergeordnete Projekt Nexus einfliessen. Für Anwohnende und Gemeinden im Kanton Aargau bedeutet dies: Konkretere, wissenschaftlich gestützte Grundlagen für künftige Lärmregulierungen und Strassenplanungen sind zu erwarten. Bis definitive Empfehlungen vorliegen, bleibt es wichtig, örtliche Lärmquellen umfassend zu betrachten — nicht allein die Fahrzeugantriebe.