Tourismus deutlich im Aufwind — aber nicht ohne Sorgen
Der Deutschland-Tourismus verzeichnet in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 einen deutlichen Aufschwung: Beherbergungsbetriebe meldeten insgesamt 175,1 Millionen Übernachtungen von Januar bis Mai. Damit zeichnet sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ein neues Rekordjahr ab. Die Zahlen belegen die anhaltende Nachfrage nach Reisen innerhalb Deutschlands, zugleich aber zeigen sie auch die Belastungsfaktoren für die Branche.
Wer reist — und in welchem Umfang?
Der Grossteil der Übernachtungen entfällt auf Gäste aus dem Inland: Mit 146,3 Millionen Übernachtungen liegt dieser Bereich 1,6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland stiegen moderat um 0,3 Prozent auf 28,7 Millionen. Besonders hervorzuheben ist der Monat Mai: Mit 49,2 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste verzeichneten Beherbergungsbetriebe ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber Mai 2025.
| Grösse | Zahl / Entwicklung |
|---|---|
| Gesamtübernachtungen (Jan–Mai) | 175,1 Millionen |
| Inländische Gästenächte | 146,3 Millionen (+1,6 %) |
| Ausländische Gästenächte | 28,7 Millionen (+0,3 %) |
| Mai (In- und Ausland) | 49,2 Millionen (+3,8 %) |
| Beschäftigte Branche | 2,7 Millionen |
| Bruttowertschöpfung | 144 Milliarden Euro |
Wachstum trifft auf strukturelle Probleme
Trotz der starken Zahlen warnt Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), davor, den Erfolg als Selbstläufer zu betrachten. Er macht auf reale Belastungen aufmerksam: steigende Kosten, Fachkräftemangel und ein wachsender Investitionsstau setzen vielen Betrieben zu. In seinen Worten liegt eine klare Forderung an Politik und Kommunen, um die touristische Leistungsfähigkeit zu sichern.
„Wer die aktuellen Rekordzahlen als Selbstläufer versteht, verkennt die Realität“, sagte Reinhard Meyer.
Forderungen und Folgen
Der DTV fordert mehr politische Unterstützung, konkret:
- mehr Investitionen in touristische Infrastruktur,
- bessere Rahmenbedingungen für die Fachkräftegewinnung,
- stärkere Unterstützung der Kommunen, die viele Angebote und Einrichtungen finanzieren.
Ohne solche Massnahmen droht, dass steigende Nachfrage zwar kurzfristig die Auslastung hebt, langfristig aber die Qualität und Verfügbarkeit touristischer Angebote leiden. Besonders kleinere Betriebe und kommunal getragene Einrichtungen könnten unter der Doppelbelastung aus Kosten- und Personaldruck leiden.
Was Reisende und Anbieter jetzt wissen sollten
Für Reisende bedeutet die Entwicklung: mehr Angebot und Erreichbarkeit, gerade in beliebten Monaten wie Mai. Für Anbieter ist die Botschaft klar: Wachstum schafft Chancen, aber nur mit Investitionen in Personal, Infrastruktur und attraktiven Arbeitsbedingungen lässt sich die positive Entwicklung nachhaltig gestalten. Die anstehenden politischen Entscheidungen werden entscheidend dafür sein, ob der Tourismus sein Potenzial langfristig als Wirtschaftsfaktor behaupten kann.