Mehr Wettmöglichkeiten – mehr Risiko
Die boomende Sportwettenbranche stellt laut Fachleuten eine zunehmende Herausforderung für die Suchtprävention in der Schweiz dar. Während das legale Angebot durch Swisslos kontrolliert wird, gewinnen unregulierte ausländische Wettanbieter Marktanteile und locken mit einfachen Zugängen und oft fehlendem Spielerschutz. Das schlägt sich in den Zahlen nieder: Rund 4,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren zeigen problematischen Umgang mit Geld- und Glücksspiel, und bei lizenzierten Anbietern fliessen jährlich etwa 2 Milliarden Franken direkt in die Schweiz.
Matthias Weber, Dozent an der Fachhochschule Ost in St. Gallen und Leiter des interkantonalen Präventionsprogramms «Spielen ohne Sucht», hat eine Kampagne mitorganisiert, die Betroffene niederschwellig erreichen soll. Er betont, dass insbesondere die Vielfalt und Verfügbarkeit von Sportwetten neue Risikofaktoren mitbringt.
"Eine der aktuellen Herausforderungen aus Sicht der Prävention und Früherkennung ist die boomende Sportwetten-Branche."
Wer ist besonders gefährdet?
Experten sehen vor allem junge Männer als besonders anfällig: Grossereignisse wie Fussball-Weltmeisterschaften verleiten viele dazu, Wetten abzuschliessen. Hinzu kommt, dass ein Teil der Spielenden Angebote aus dem Ausland nutzt, die weder reguliert noch ausreichend kontrolliert sind. Diese Plattformen verhindern nicht zuverlässig den Zugang Minderjähriger und bieten selten Mechanismen zur Verlustbegrenzung oder zum Selbstausschluss.
- Betroffene Gruppe: vorwiegend junge Männer
- Legale Umsätze (Schweiz): rund 2 Milliarden Franken pro Jahr
- Problematische Spielenden: ca. 4,3 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren
Kampagne und Hilfsangebote
Die Kantone haben die Sensibilisierungskampagne «Game-Changer» lanciert. Ziel ist es, leicht zugängliche Unterstützung anzubieten und frühzeitig auf problematische Muster aufmerksam zu machen. Das Programm «Spielen ohne Sucht», das Weber seit 2023 leitet, koordiniert Präventionsmassnahmen für die Ostschweiz und Liechtenstein. Zu den empfohlenen Schritten gehören Aufklärung, digitale Schutzmechanismen sowie niederschwellige Beratungsangebote.
| Aspekt | Fakt |
|---|---|
| Jährliche Umsätze (lizenzierte Angebote) | ~2 Milliarden CHF |
| Anteil Problemspieler ab 15 Jahren | 4,3 % |
Für Freizeitinteressierte und Angehörige bedeutet das: Beim Platzieren von Wetten auf Sportveranstaltungen ist Vorsicht geboten. Wer Angebote aus dem Ausland nutzt, sollte sich bewusst sein, dass dort oft kein nationaler Spielerschutz greift. Die Kampagne will deshalb nicht nur informieren, sondern auch Wege aufzeigen, wie man riskantes Spielverhalten früh erkennt und Hilfe findet.
Kontakt- und Beratungsstellen der Kantone sowie spezialisierte Suchtstellen bieten Informationen und Unterstützung an. Die Präventionsarbeit zielt darauf ab, Chancen und Risiken von Sportwetten transparent darzustellen und Betroffene schnell zu erreichen.