Neue Chance für die nationale Luftverbindung zwischen Genf und Lugano
Die Diskussion um eine Lockerung des sogenannten Kabotageverbots auf Bundesebene eröffnet die Möglichkeit, dass die Strecke Genf–Lugano wieder als Linienflug bedient wird. Die Initiative stammt aus dem Kanton Tessin: Parlamentarier Fabio Regazzi verlangt eine Anpassung der Regeln, damit künftig auch europäische Fluggesellschaften inner-schweizerische Verbindungen betreiben könnten. Die Verkehrskommission des Ständerats hat Regazzis Vorstoss bereits unterstützt; der Vorstoss liegt nun beim Nationalrat. Parallel dazu ist eine ähnliche Änderung im Rahmen der laufenden Revision des Luftfahrtgesetzes in Diskussion.
Für Passagiere und die Wirtschaft in Genf könnte das rasch spürbare Folgen haben: Reine Infrastruktur für Linienflüge am Flughafen Lugano existiert zwar nicht im grossen Stil, doch nach Umsetzung einer Rechtsänderung könnten sich interessierte Airlines relativ zügig für eine Aufnahme einer Verbindung melden. Laut den bisher kommunizierten Informationen laufen bereits Gespräche mit potenziellen Anbietern. Solange das Kabotageverbot jedoch Bestand hat, kann Lugano keine reguläre Inlandsverbindung vergeben – schweizerische Fluglinien zeigen offenbar derzeit kein Interesse an einer Wiederaufnahme.
- Politische Ebene: Initiative von Fabio Regazzi; Ständeratskommission positiv; Nationalrat entscheidet weiter.
- Rechtlicher Rahmen: Änderung des Kabotageverbots / Revision des Luftfahrtgesetzes erforderlich.
- Operative Lage: Gespräche mit Airlines laufen, konkrete Angebote liegen noch nicht vor.
Historischer Kontext und Risiken
Die Verbindung zwischen Genf und Lugano hat eine lange, wechselhafte Geschichte. Bereits ab den 1980er-Jahren bediente Crossair die Strecke. Nach der Gründung von Swiss blieb die Verbindung bestehen, verschwand jedoch im Jahr 2003 aus dem Flugplan. In der Folge gab es mehrere kurzfristige Wiederbelebungsversuche: Fly Baboo sprang ein, bevor Darwin Airline die Strecke 2004 übernahm und mit Saab-2000-Maschinen regelmässig flog. Später waren die Flüge unter den Marken Etihad Regional und Adria Airways Switzerland zu finden. Swiss stellte ihre Flüge 2016 wegen hoher Verluste ein; nach dem Wegfall von Darwin Ende 2017 und dem Konkurs von Skywork rund ein Jahr später verschwand die Verbindung vollständig aus dem nationalen Streckennetz.
| Jahr / Etappe | Ereignis |
|---|---|
| 1980er | Crossair bedient Strecke Genf–Lugano |
| 2003 | Strecke verschwindet nach Neuordnung durch Swiss |
| 2004 | Darwin Airline übernimmt; regelmässige Verbindungen |
| 2016–2018 | Swiss stellt Flüge 2016 ein; Darwin verliert 2017 Betriebsgenehmigung; Skywork Konkurs |
Die Vergangenheit zeigt, dass wirtschaftliche Tragfähigkeit eine zentrale Hürde darstellt. Swiss hatte 2016 die Verbindung wegen hoher Verluste eingestellt; die späteren Ausfälle von regionalen Anbietern führten dazu, dass die Strecke nicht mehr bedient wurde. Eine Öffnung für europäische Airlines könnte Angebot und Wettbewerb verändern — gleichzeitig sind die Erfolgsbedingungen von Faktoren wie Nachfrage, Preispolitik und Slotverfügbarkeit abhängig.
Was bedeutet das für die Bevölkerung in Genf?
Für Reisende aus dem Kanton Genf würde eine direkte Verbindung nach Lugano die Reisezeit zwischen West- und Südschweiz deutlich verkürzen und die Erreichbarkeit des Tessins verbessern. Für Unternehmen und Geschäftsreisende könnten kürzere Verbindungen logistische Vorteile bringen. Entscheidend bleibt jedoch, ob nach einer Gesetzesänderung tatsächlich ein tragfähiges Angebot zustande kommt. Wenn nur ausländische Airlines die Strecke bedienen, sind zudem Fragen von Preisniveau und Kontinuität relevant.
Solange die gesetzlichen Anpassungen nicht in Kraft sind, bleibt die Verbindung theoretisch möglich, praktisch aber nicht umsetzbar: «Solange das Kabotageverbots gilt, kann der Flughafen Lugano keine konkrete Verbindung vergeben», lautet die bisherige Einschätzung der Initianten. Wird das Verbot aufgehoben, könnte die Suche nach einem geeigneten Anbieter schnell beginnen – mit ungeklärtem Ausgang.
Für die Genferinnen und Genfer bleibt die Angelegenheit ein politisch-getragenes Projekt mit praktischem Nutzenpotenzial. Entscheidend sind nun die Beschlüsse im Nationalrat und der weitere Verlauf der Revision des Luftfahrtgesetzes.