Grossmünster wird während Sanierung zur temporären Projektionsfläche
Das Grossmünster in Zürich steht vor einer umfassenden Instandsetzung, die das bekannte Kirchengebäude für beinahe drei Jahre vollständig einhüllen wird. Geplant sind unter anderem die Reinigung der Dachflächen, der Ersatz fauler Tragbalken im Kirchenschiff sowie die Neuverglasung des Fensters über der Orgel. Wegen dieses umfangreichen Restaurationsbedarfs wird das Gebäude integral eingerüstet und durch eine zweieinhalb Meter hohe Holzwand vom Platz- und Strassenraum abgegrenzt.
Die Einhausung verwandelt das Grossmünster in eine dreidimensional bespielbare Fläche: Über einen mehrjährigen Zeitraum wird das Gerüst als temporäre Projektions-, Ausstellungs- und Begegnungsfläche genutzt. Die Stadtverwaltung hat dafür ein Kunst- und-Bau-Projekt ausgeschrieben; die Jury wählte Projekte aus, die sich mit der Rolle des Kirchenbaus im urbanen Kontext auseinandersetzen.
"Die Möglichkeit für einen zeitgenössischen Kommentar auf die Kirche tut sich ebenso auf wie ein neuer Blick auf Bekanntes."
Das Zitat stammt aus dem Konzept der Kuratorin und fasst den intendierten Ansatz zusammen: Die Hülle soll nicht nur schützen, sondern auch ein Spiegel des städtischen Raums und der heterogenen Gesellschaft sein. Acht Künstler*innen waren eingeladen; sechs Teams reichten Vorschläge ein. Zur Beurteilung setzte sich das Gremium aus städtischen Fachleuten und Vertreterinnen und Vertretern aus Kunst und Kirche zusammen, darunter Personen aus dem Hochbauamt, der Fachgruppe Bildende Kunst, dem Cabaret Voltaire, der Kirchenleitung und der Stadtentwicklung.
Auswahlkriterien, Budget und Bedeutung für die Stadt
Die Jury bewertete die Entwürfe nach mehreren Kriterien: ästhetischer Ausdruck, Sinnfälligkeit am jeweiligen Ort, Integration in die architektonische Gesamtanlage, städtebaulicher Kontext, eigenständige Bildsprache sowie die Übereinstimmung mit Nutzungsanforderungen und Vorgaben zu Kosten, Qualität und Terminen. Das Gesamtbudget inklusive Realisierung und aller Spesen beträgt 240'000 Franken.
- Sanierungsdauer: fast drei Jahre mit durchgehender Einhausung
- Bauliche Arbeiten: Reinigung Dächer, Ersatz fauler Tragbalken, Neuverglasung über Orgel
- Kunstprojekt: Holzwand als bespielbare Fläche, mehrere eingereichte Projekte, Auswahl durch interdisziplinäre Jury
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Einrüstungsdauer | fast 3 Jahre |
| Holzwand Höhe | 2,5 m |
| Budget (inkl. Realisierung & Spesen) | 240'000 CHF |
Für Anwohnende und Besucherinnen bedeutet die Massnahme, dass der Bereich rund um das Grossmünster während der Sanierung räumlich verändert und teilweise abgegrenzt sein wird. Konkrete Auswirkungen sind veränderte Blickbeziehungen zum Bauwerk, mögliche Einschränkungen im unmittelbaren Platzbereich sowie zeitweise reduzierte Zugänglichkeit zu Teilen des Vorplatzes. Gleichzeitig entsteht eine neue öffentliche Fläche, die den städtischen Alltag künstlerisch kommentieren soll.
Die Sanierung reiht sich in die historischen Instandsetzungszyklen ein: Die letzte umfassende Fassadenrestauration erfolgte in den 1930er-Jahren. Nun wird das Bauwerk wiederum technisch erneuert und gleichzeitig kulturell inszeniert. Stadtentwicklung und Kirche sehen in der Zwischennutzung eine Chance, das Grossmünster zeitgenössisch zu beleuchten und Kritik wie Aufmerksamkeit für das Bauwerk in den Stadtraum zu tragen.
Weitere Informationen zu konkreten Terminen, Zugängen und Veranstaltungen im Rahmen des Projekts werden von der Stadt Zürich und den beteiligten Institutionen kommuniziert, sobald die Detailplanung abgeschlossen ist.