Neues Modell gegen Überlastung im ärztlichen Dienst
Das Spital Uster hat im August 2024 ein neues Arbeitszeitmodell für Ärztinnen und Ärzte eingeführt. Statt einer herkömmlichen 50-Stunden-Woche gelten seither 42 reguläre Arbeitsstunden pro Woche. Zusätzlich sind bis zu 4 Stunden pro Woche vorgesehen, die jedoch ausdrücklich nur für Forschung und Weiterbildung genutzt werden dürfen.
Hintergrund des Modells ist ein seit Jahren diskutiertes Problem: Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz arbeiten häufig mehr als gesetzlich vorgesehen, was Folgen für die eigene Gesundheit und potenziell auch für die Patientensicherheit haben kann. Das Spital Uster verfolgt mit der Umstellung das Ziel, die Belastung zu reduzieren und den Beruf wieder attraktiver zu machen.
Erste Erfahrungen und Umsetzungsgrad
Die interne Bilanz, wie sie in Berichten zitiert wird, fällt bisher überwiegend positiv aus. Oberarzt Federico Mazzola erklärte gegenüber SRF:
„Wir haben gesehen, dass wir es bei ungefähr 60 Prozent der Wochen umsetzen können.“
Dieses Ergebnis zeigt, dass das Modell in der Praxis bereits in einem Grossteil der Wochen realisierbar ist. Gleichzeitig gibt das Spital zu, dass in rund 40 Prozent der Wochen die Zielvorgabe noch nicht erreicht werde. Als Ursache wird der dynamische Spitalalltag genannt, der eine fixe Planung erschwere.
Auswirkungen auf Patientenversorgung und Stellungnahmen
Wesentlich für die Bevölkerung ist, dass die Einführung des Modells nach bisherigen Angaben keine negativen Auswirkungen auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten gehabt habe. Das Modell reduziert demnach vor allem das Auftreten von extremen Arbeitspensen bei den Ärzten und Ärztinnen, ohne die Leistungsfähigkeit des Hauses zu schmälern.
Unterstützung erhält das Spital Uster ausserdem vom Berufsverband: Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) begrüsst die Massnahme ausdrücklich. In Stellungnahmen wurde gesagt:
„Wir begrüssen die Umsetzung des Arbeitszeitmodells 42+4 im Spital Uster ausdrücklich.“
Konsequenzen für Personal und Versorgungsplanung
Für die lokale Gesundheitsversorgung sind mehrere Effekte denkbar: Kurzfristig soll das Modell Überlast reduzieren und die Arbeitszufriedenheit steigern. Mittelfristig kann eine verlässlichere und begrenztere Wochenarbeitszeit helfen, Fachpersonal zu halten oder neue Mitarbeitende zu gewinnen. Gleichzeitig macht die bisherige Umsetzung in 60 Prozent der Wochen deutlich, dass Flexibilität bleibt: In einem Akutbetrieb können sich wiederkehrende Spitzenzeiten negativ auf die Planbarkeit auswirken.
- Regelarbeitszeit: 42 Stunden pro Woche
- Zusatzstunden: 4 Stunden für Forschung und Weiterbildung
- Umsetzungsgrad: ~60% der Wochen aktuell realisiert
- Offene Herausforderung: Dynamik des Spitalalltags in ~40% der Wochen
| Vorher | Neu |
|---|---|
| 50-Stunden-Woche | 42+4-Stunden-Modell |
Ob das Modell auf Dauer in allen Bereichen stabil eingeführt werden kann, bleibt offen. Entscheidend wird sein, wie das Spital mit den nicht planbaren Spitzen im Alltag umgeht und ob die begonnenen positiven Effekte auf die Arbeitsbelastung nachhaltig bestehen bleiben. Für die Bevölkerung von Uster ist wichtig: Bislang blieb die Versorgung stabil, während die Belastung der Ärzteschaft gesenkt werden konnte.