Grosser Teil der Jugendlichen hat klare Perspektive
Eine vom Kanton St. Gallen durchgeführte Erhebung zeigt, dass von den rund 4'990 befragten Jugendlichen, die im Juli 2026 die Volksschule verlassen, 96,6 Prozent eine Anschlusslösung besitzen. Die Mehrheit startet demnach in eine Berufslehre oder besucht eine weiterführende Schule; insgesamt wählen 80,8 Prozent einen dieser Wege. Damit zeichnet sich für den überwiegenden Teil der Absolventinnen und Absolventen ein geordneter Übergang in die nächste Bildungs- oder Berufsphase ab.
Unterschiede nach Schulform und Geschlecht
Die Anschlussquoten variieren je nach Schulform deutlich. Aus den Sekundarklassen haben 98,5 Prozent bereits eine Lösung, aus den Realklassen 94,4 Prozent, aus den Kleinklassen 90,3 Prozent und aus den Brückenangeboten 83,1 Prozent. Die Berufsbildung bleibt beliebt: 77,6 Prozent der Befragten entscheiden sich für eine Lehre, wobei der Anteil bei den Schülerinnen mit 66,2 Prozent tiefer liegt. Frauen wählen vergleichsweise häufiger eine weiterführende Schule oder eine Zwischenlösung.
| Indikator | Zahl/Anteil |
|---|---|
| Erhobene Jugendliche | 4'990 |
| Mit Anschlusslösung | 96,6% |
| Ohne Perspektive | 241 Jugendliche (4,8%) |
| Unbesetzte Lehrstellen | ~1'700 |
Offene Lehrstellen und die daraus entstehenden Spannungen
Trotz der hohen Anschlussquote verzeichnet der Kanton aktuell rund 1'700 offene Lehrstellen. Dies stellt Lehrbetriebe vor die Herausforderung, geeignete Lernende zu finden, und wirft die Frage auf, weshalb Angebot und Nachfrage nicht besser zusammenfinden. Der Kanton weist darauf hin, dass erfahrungsgemäss etwa zwei Drittel der Jugendlichen, die aktuell noch keine Lösung haben, bis zum Schuljahresbeginn noch eine Anschlussmöglichkeit finden.
- Für Jugendliche: Gute Chancen, allerdings bleibt die Suche in manchen Berufen anspruchsvoll.
- Für Lehrbetriebe: Rekrutierung bleibt schwierig trotz leerer Ausbildungsplätze.
- Für Schulen und Behörden: Bedeutung von Beratungs- und Vermittlungsangeboten nimmt zu.
Welche Berufe betroffen sind
Der Kanton meldet, dass die offenen Stellen in einer Vielzahl von Berufen auftreten – darunter auch solche, die allgemein als beliebt oder anspruchsvoll gelten. Neu in den Top-20-Ausbildungen sind laut Mitteilung die Berufe Landwirt/Landwirtin sowie Gärtner/Gärtnerin; die Coiffeuse/der Coiffeur erscheint nicht mehr auf der Liste. Allerdings relativiert die Behörde, dass die Rangliste vom Angebot an Ausbildungsplätzen beeinflusst wird.
«Darunter sind auch solche, die als beliebt oder anspruchsvoll gelten.»
Was das konkret für den Kanton bedeutet
Kurzfristig bleibt die Lage für die Berufsbildung in St. Gallen robust: Ein Grossteil der Jugendlichen hat eine Perspektive. Langfristig aber zeigen die Zahlen strukturelle Fragestellungen auf: Wie lassen sich Ausbildungsplätze besser vermitteln? Welche Massnahmen braucht es, damit Lehrbetriebe alle Plätze besetzen können? Und wie lässt sich die Passung zwischen Berufsangebot und den Interessen der Jugendlichen verbessern? Diese Fragen betreffen Schulen, Kantonsbehörden und Wirtschaftsverbände gleichermaßen.
Die kantonalen Stellen erinnern daran, dass Lehrverträge bis zum Semesteranfang der Berufsfachschulen genehmigt werden und dass viele Jugendliche, die derzeit noch unentschlossen sind, bis zum Schulstart doch noch eine Lösung finden dürften. Trotzdem bleibt die Aufgabe, Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen, eine Priorität für das kommende Ausbildungsjahr.