Die Igelhilfe Mittelland meldet für das laufende Jahr eine beunruhigende Entwicklung: deutlich mehr geschwächte Jungigel als in früheren Jahren mussten aufgenommen und gepflegt werden. Aktuell betreut die Station nach eigenen Angaben über 30 Jungigel mehr als im gleichen Zeitraum zuvor. Viele der Tiere bringen bei der Aufnahme nur zwischen 80 und 130 Gramm auf die Waage.
Was die Zahlen bedeuten
Solche Gewichte bei Jungtieren sind ein Hinweis darauf, dass die Aufzuchtbedingungen schwierig sind. Normalerweise finden Igelmütter genug Nahrung nachts; vermehrte Sichtungen von Igeln und Muttertieren am Tag deuten hingegen auf Nahrungsknappheit oder Störungen des natürlichen Verhaltens hin. Zahlreiche Meldungen zeigen Igel, die tagsüber auf Wegen, in Gärten oder auf Strassen nach Futter suchen und dabei hohen Risiken ausgesetzt sind.
Regionale Belastung der Igelstationen
Die betroffenen Igelstationen werden überwiegend ehrenamtlich betrieben. Sie berichten, dass die Kapazitätsgrenzen vielerorts erreicht sind und die zusätzlichen Aufnahmen einen spürbaren Mehraufwand verursachen. Der Verein Pro Igel Schweiz bestätigt, dass mehrere Stationen in verschiedenen Regionen ähnliche Beobachtungen unabhängig voneinander gemacht haben.
- Mehrere Igelstationen melden steigende Fallzahlen.
- Häufige Beobachtung von Igeln am Tag — Zeichen für geschwächte Tiere.
- Ehrenamtliche Einrichtungen kämpfen an ihrer Kapazitätsgrenze.
| Indikator | Angabe |
|---|---|
| Zunahme betreuter Jungigel | über 30 mehr (gegenüber Vorjahren) |
| Typisches Gewicht bei Aufnahme | 80–130 Gramm |
Fachleute geben derzeit keine eindeutige Erklärung für den Trend. Da aber mehrere, räumlich unabhängige Stationen übereinstimmende Entwicklungen melden, sprechen die Beobachtungen eher für eine breit angelegte Veränderung statt für Einzelfälle.
Was Einwohnerinnen und Einwohner tun können
Praktische Massnahmen im Siedlungsraum können helfen, Igel zu unterstützen: Wildwuchs- und Laubhaufen als Ruhe- und Nahrungsstellen belassen, naturnahe Ecken in Gärten schaffen, Pfützen und Gefahrenquellen wie offene Kanalabdeckungen sichern sowie bei Auffinden geschwächter Igel die zuständige Igelstation oder eine Fachstelle kontaktieren. Wer ein Jungtier findet, sollte es nicht unnötig anfassen, sondern Fundort und Zustand dokumentieren und Hilfe holen.
Bleiben die Bedingungen in diesem Sommer herausfordernd, droht den ehrenamtlichen Stationen eine noch stärkere Belastung. Die Situation erfordert jetzt Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und koordiniertes Handeln von Gemeinden, Naturschutzorganisationen und Tierhilfen.