Regierung strebt Änderung des Kaiserhausgesetzes an
Die Regierung in Tokio hat einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der die Zusammensetzung der japanischen Kaiserfamilie verändern würde, ohne die bestehende Regelung zur ausschliesslich männlichen Thronfolge aufzuheben. Ziel der Vorlage ist es, männliche Nachkommen ehemaliger Seitenlinien des Kaiserhauses wieder als Angehörige der kaiserlichen Familie zu integrieren. Diese Seitenlinien waren nach dem Zweiten Weltkrieg entthront und in den Status von Privaten überführt worden.
Die vorgeschlagene Änderung soll rasch parlamentarisch beschlossen werden: Das Unterhaus hat den Entwurf bereits gebilligt, das Oberhaus muss noch zustimmen. Die Regierung hofft, die Änderung vor dem regulären Ende der laufenden Parlamentssitzung am 17. Juli durchzubringen.
Was die Revision regelt – und was nicht
Wesentliche Punkte der Vorlage sind:
- Wiederaufnahme männlicher Nachkommen ehemaliger Seitenlinien in die Kaiserfamilie.
- Frauen bleibt die unmittelbare Thronfolge verwehrt; eine Ermächtigung zur Thronbesteigung weiblicher Mitglieder ist nicht vorgesehen.
- Weibliche Mitglieder sollen ihren kaiserlichen Status künftig auch nach der Heirat mit einem Bürgerlichen behalten können, wobei deren Ehepartner und Kinder nicht automatisch Mitglieder der Kaiserfamilie würden.
Konsequenzen für die Thronfolge
Der Hintergrund der Vorlage ist ein konkretes dynastisches Problem: In der ältesten noch bestehenden Monarchie der Welt stehen derzeit nur wenige männliche Anwärter zur Verfügung. Als potenzielle Thronfolger gelten derzeit allein männliche Verwandte des amtierenden Kaisers. Demgegenüber bliebe die einzige Tochter des Kaisers, Prinzessin Aiko, weiterhin von der Nachfolge ausgeschlossen.
Wer steht derzeit in der Reihenfolge?
| Person | Beziehung | Alter |
|---|---|---|
| Kaiser Naruhito | Amtierender Tenno | 66 |
| Kronprinz Akishino | Bruder des Kaisers | 60 |
| Prinz Hisahito | Sohn von Akishino | 19 |
| Prinz Hitachi | Onkel des Kaisers | 90 |
| Prinzessin Aiko | Tochter des Kaisers | 24 |
Widerstand und öffentliche Meinung
Kritiker sehen in der Vorlage eine verpasste Gelegenheit zur Modernisierung: Sie bemängeln, dass das Gesetz die grundsätzliche Diskriminierung nach Geschlecht nicht beseitigt. In Umfragen zeigte sich eine deutliche Unterstützung für die Zulassung weiblicher Thronnachfolgerinnen; nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo sprachen sich rund 83 Prozent der Befragten für die Möglichkeit einer Frau auf dem Kaiserthron aus.
Die Regierung unter Ministerpräsidentin Sanae Takaichi, der ersten Regierungschefin Japans, setzt offenbar auf eine Lösung, die die männliche Erbfolge sichert, ohne traditionelle Geschlechterrollen formell aufzugeben. Für Beobachter bleibt offen, ob dieser Kompromiss die langfristige Stabilität der Thronfolge sichern kann oder ob weitergehende Reformen später unvermeidlich werden.
Für die Bevölkerung in Japan hat die Vorlage direkte Bedeutung: Sie beeinflusst, wer repräsentative Aufgaben des Kaiserhauses übernehmen kann, und berührt Fragen von Erbrecht, Staatsritualen und öffentlichem Selbstverständnis. Ob die Änderung den erhofften Effekt erzielt, hängt davon ab, wieviele männliche Angehörige aus ehemals ausgestoßenen Linien tatsächlich zurückkehren und ob zukünftige Generationen die Debatte neu aufrollen.