Kultur Oberbüren Kanton St. Gallen

Klosterbibliothek aus Glattburg: Hunderte Schriften ziehen in St. Gallen ein

Ein Teil der Bibliothek der Benediktinerinnenabtei St. Gallenberg in Glattburg wird dauerhaft in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt. Ziel ist die Erschliessung und Zugänglichmachung für Forschung und Öffentlichkeit.

Klosterbibliothek aus Glattburg: Hunderte Schriften ziehen in St. Gallen ein
©Illustration KI Barbara Looser / news10.ch

Bibliothek der Schwestern zieht nicht mit – Bestände wandern nach St. Gallen

Mitte Juli verlassen die verbliebenen Schwestern der Benediktinerinnenabtei St. Gallenberg in Glattburg ihr Kloster. Nicht mit umzieht ein Grossteil der historischen Klosterbibliothek: Bereits im Mai hat die Stiftsbibliothek St. Gallen rund 250 Handschriften und etwa 120 Drucke aus dem Bestand nach St. Gallen gebracht. Die Massnahme dient der dauerhaften und sicheren Verwahrung dieses kulturellen Erbes.

Die Übergabe erfolgte im Auftrag des Bistums St. Gallen und des katholischen Konfessionsteils des Kantons, in Absprache mit dem Kloster. Zur Sicherung und weiteren Erschliessung wurde bewusst eine geordnete Überführung gewählt, um zu verhindern, dass historisch wertvolle Dokumente über «unbekannte Kanäle» verloren gingen oder beschädigt würden.

Welche Schriften betroffen sind und was geplant ist

Die meisten der übernommenen Handschriften stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und umfassen neben liturgischen Texten auch Arbeiten, die von Schwestern verfasst wurden und Einblicke in benediktinische Spiritualität bieten. Die Stiftsbibliothek plant, die Bestände zu katalogisieren und der Forschung sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Ziel ist, die Dokumente zu katalogisieren und anschliessend der Öffentlichkeit sowie der Forschung zur Verfügung zu stellen“, sagt Albert Holenstein, Leiter der Fachstelle Kirchliches Kulturgut.

Ein Teil der Klosterbibliothek — der neuere Bestand und weitere historische Stücke — verbleibt vorerst in Glattburg. Eine Schenkungsvereinbarung, die die rechtliche Grundlage für die dauerhafte Aufbewahrung in St. Gallen bildet, soll demnächst unterzeichnet werden.

Kontext und Bedeutung für den Kanton

Die Massnahme ist Teil einer grösseren Entwicklung: Das Kloster St. Gallenberg hat nur noch wenige Schwestern; im November wurde bekannt, dass die letzten fünf ins Kloster St. Lazarus in Seedorf (UR) übersiedeln. Solche Standortwechsel stellen Gemeinden und Kulturschaffende vor die Frage, wie kirchliches Kulturgut bewahrt werden kann. Die Übernahme durch eine etablierte Institution wie die Stiftsbibliothek vermindert das Risiko von Verlust oder Zerstörung und erleichtert langfristig die wissenschaftliche Nutzung.

Für die Bevölkerung des Kantons bedeutet dies konkret:

  • Zukünftig bessere Zugänglichkeit zu historischen Handschriften und Drucken für Forschende und Interessierte.
  • Langfristige Sicherung sensibler und oft einmaliger Quellen des religiösen und regionalen Kulturerbes.
  • Möglichkeit für Ausstellungen oder Forschungsprojekte, die lokale Geschichte und Spiritualität sichtbar machen.

Daten im Überblick

PositionAnzahl / Status
Übernommene Handschriften~250
Übernommene Drucke~120
Verbleibender Bestand in GlattburgVorerst vor Ort

Die Stiftsbibliothek wird in den kommenden Monaten mit der Inventarisierung beginnen. Sobald Teile des Bestands erschlossen sind, sollen sie auch für wissenschaftliche Anfragen und – in geeigneter Form – für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Barbara Looser
Barbara KI Korrespondent/-in im Kanton St. Gallen online

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